Für die Jubiläumsfolge an diesem Donnerstag haben sich die Produzenten etwas Besonderes überlegt: Glaubt man den Gerüchten, sollen gleich vier Hauptdarsteller bei einem Straßenbahnunfall den Serientod sterben. Das ist in etwa so, als wenn es in der "Lindenstraße" Mutter Beimer und ihren Hans mitsamt Karsten Flöter und Penner Harry auf einmal hinwegrafft.So weit hergeholt ist der Vergleich auch gar nicht, denn die Serie, in der am Donnerstag das Massensterben erwartet wird, ist so etwas wie die Mutter aller Lindenstraßen. "Coronation Street" heißt die bekannte britische Serie, die seit nunmehr fünfzig Jahren das Leben der Bewohner einer verregneten Hintergasse im nördlichen England zeigt. Am 9. Dezember 1960 wurde "Corrie" zum ersten Mal gesendet und ist somit die älteste Serie, die immer noch produziert wird. Auf dem privaten TV-Kanal ITV werden die täglichen Episoden von bis zu zehn Millionen Zuschauern gesehen, das Format wurde auf der ganzen Welt reproduziert. Auch die deutsche Version "Lindenstraße" feiert in dieser Woche ein Jubiläum - allerdings erst läppische 25 Jahre."Coronation Street" ist für seine anschaulichen und bodenständigen Charaktere bekannt. Da gibt es den mit Problemen belasteten Frauenhelden Ken Barlow, der vier Mal verheiratet war und 27 Freundinnen hatte. Ein anderer Publikumsliebling war die feurige Vera Duckworth. Als sie nach 33 Jahren 2008 den Serientod starb, trauerte ganz Großbritannien.Die Handlung findet größtenteils in und um Englands berühmtesten Pub, den Rovers Return Inn, statt. Der war im Laufe der Jahre Schauplatz vieler entscheidender Ereignisse, von Aufständen und zerbrochenen Gläsern bis zur aufkeimenden Liebe über einem Humpen Bier.Eigentlich wollte die britische Fernsehstation Granada Television, der der Serienerfinder Tony Warren 1960 erstmals zwei Probefolgen zeigte, diese fast nicht senden. Man befürchtete, dass die Werbeeinnahmen darunter leiden würden. "Die Fernsehgesellschaft hatte Angst, dass eine Serie über das gewöhnliche Alltagsleben von Arbeitern die Zuschauer nicht interessieren würde", sagt Kieran Roberts, heute der Produktionsleiter der Dauerserie. "Doch das wundervolle Drehbuch von Tony Warren, die brillanten Schauspieler und das großartige Produktionsteam, die Warrens Vorstellungen auf die Leinwand brachten, belehrten sie eines Besseren."William Roche spielt den Ken Barlow, die einzige Figur, die von Anfang an in der Serie mitspielt. Laut Roche ist gerade das Gewöhnliche der Handlung der Schlüssel des anhaltenden Erfolgs. "In der "Coronation Street" geht es um normale Menschen, die mit den Problemen des Lebens, ihrer Liebe und Träume, Verlusten und Verzweiflung kämpfen", sagt er. "Die Serie ist so realistisch und wahrheitsgemäß, wie ein Film sein kann. Sie hat das doppelte Problem, mit der Zeit zu gehen, ohne dabei jedoch zu weit zu gehen. Das ist in ,Coronation Street' so gut gelungen, dass die Serie immer noch lebendig wirkt und im Jubiläumsjahr zu den meistgesehenen Folgen im britischen Fernsehen zählt."Vielleicht auch noch die nächsten fünfzig Jahre.------------------------------Foto: Die "Corrie"-Bewohner vor dem berühmtesten Pub Großbritanniens