Das Kant-Kino bleibt der Westcity erhalten. Die ",Kant und andere Kinos Betriebsgesellschaft mbH" wird das 90 Jahre alte Filmtheater an der Kantstraße am kommenden Donnerstag wieder eröffnen. Hinter dem umständlichen Betreibernamen verbergen sich vier kinoerfahrene Männer: der Regisseur Wim Wenders, die Betreiber des Kinos in den Hackeschen Höfen in Mitte, Gerhard Groß und Burghard Voiges, sowie der Geschäftsführer des Filmverleihs Ottfilm, Christoph Ott. Für vorerst fünf Jahre haben die Profis das Kino mit seinen fünf Sälen gemietet. Burghard Voiges gibt sich jedoch keinen Illusionen hin. "Das wird mit Sicherheit nicht einfach", sagt der 45-Jährige. Das größte Problem bestehe darin, dem Kino wieder ein eigenes Profil zu geben - jenseits von Hollywoodproduktionen. Das Kant-Kino, glaubt Voiges, werde seine Besucher vorrangig aus dem Kiez beziehen. "Und das hier ist ein echtes Intellektuellengebiet." Das Programm soll deshalb ein Mix aus anspruchsvoller Filmkunst und kommerzieller Qualität sein. Während der große Saal mit seinen mehr als 400 Plätzen dem Kommerz vorbehalten bleibt - und damit Einnahmen sichern hilft, sollen in den kleinen Sälen Dokumentarfilme gezeigt werden, Retrospektiven oder Originalversionen. Dass auch Wim Wenders zu den Kino-Betreibern gehört, soll das Publikum natürlich spüren. "Wenders wird seine Reihen präsentieren", sagt Voiges. "Aber natürlich brauchen wir auch seinen guten Namen." Die neuen Betreiber hoffen auch, von dem guten Ruf zu profitieren, den das Filmtheater einst hatte. Mitte der 70er-Jahre sorgte das Kino weit über die Stadtgrenzen hinaus für Furore. Allerdings nicht mit Filmen, sondern mit Live-Auftritten von Bands, die der damalige Betreiber Reinhard Konzack organisierte. The Police traten hier auf, AC/DC, die Simple Minds und The B-52 s - noch bevor sie international zu Ruhm kamen. Sonderlich viel investieren mussten die vier neuen Betreiber nicht in das alte Kino. Erst 1996 hatte der Vorgänger, die UCI Kinowelt, drei Millionen Mark (etwa 1,5 Millionen Euro) in den Umbau des Filmtheaters gesteckt. Neu gebaut wurden die drei kleinen Säle in der zweiten Etage sowie ein behindertengerechter Zugang. Auch Teile der Technik sowie der zweitgrößte Saal waren erneuert worden. "Wir investieren jetzt noch mal 100 000 Euro", sagt Burghard Voiges. Im Bezirk ist man glücklich über den Erhalt des Kant-Kinos. "Wir haben in den vergangenen Jahren etliche Kino-Schließungen erleben müssen", sagt der zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Das habe die Freizeitangebote für die Anwohner deutlich reduziert. Das Kant-Kino war im November 2001 wegen Unrentabilität geschlossen worden. Gute zwei bis drei Jahre, so schätzen die neuen Betreiber, werde es dauern, bis sich das Filmtheater wieder in der Kino-Landschaft der City-West etabliert hat. "Wir wollen es auf jeden Fall probieren. Selbst, wenn wir erst mal ein oder zwei Jahre defizitär arbeiten", sagt Burghard Voiges.Weniger Kinos, aber mehr Leinwände // Kinos: Zurzeit gibt es in Berlin 97 Kinos mit 288 Leinwänden. 1997 waren es noch 110 Kinos mit 222 Leinwänden. Mit 128 Leinwänden stellen die Multiplexe fast die Hälfte des Angebots in der Stadt. Seit 1997 wurden 22 Traditionskinos geschlossen.Kinobesuche: Bundesweit sind die Berliner nach den Münchnern führend bei der Zahl der Kinobesuche. Im Jahr 2000 ging jeder Berliner im Schnitt 3,4-mal ins Kino. Bundesweit waren es nur 1,86 Besuche.