Zum Schluss hat der Weg geradewegs ins Aus geführt. Der Kurvenstar, einziger Club für HipHop und Artverwandtes rund um die Touri-Meile Hackescher Markt, ist dicht. Vor acht Jahre war der Club an der Stelle, wo die Straßenbahn laut um die Kurve quietscht, eröffnet worden. Jetzt heißt es leise Feierabend. Vor allem in den letzten anderthalb Jahren war es lauter zugegangen an der Kleinen/Ecke Große Präsidentenstraße. Und das lag nicht nur an der Straßenbahn. Viel zu laut war es auch im Kurvenstar selbst, wenn es nach den Mietern des Hauses geht, in dessen Erdgeschoss sich der Club befindet. Nach Angaben eines Bewohners war "mindestens 25 Mal die Polizei da". Mehrfach sei die Musikanlage beschlagnahmt worden - bis zum nächsten Mal. Aus der ursprünglichen Schank- und Speisewirtschaft mit regelmäßigen Tanzveranstaltungen und ausgepegelten Boxen war eine Disco mit Live-Musik geworden, deren neue Betreiber sich mit den Bewohnern nicht auf ein auskömmliches Miteinander einigten. Betreiberin Theresa Piejek, Mutter des Chefs der Charts-gelisteten Band Culcha Candela, suchte noch Unterstützung in der Öffentlichkeit, doch zum Schluss mochte sie nicht mehr. "Ich bin Managerin der Band, die Gastronomie war mir immer fremd", sagte Piejek gestern. Jetzt sucht die Hausverwaltung Fox & Görlitz einen neuen Mieter, gerne in der Gastronomie ("aber keine Diskothek"), "vielleicht aber auch eine Boutique", wie Verwalter Eugen Fox sagte. Gleich um die Ecke, direkt am Hackeschen Markt, ist gerade erst ein weiteres Stück Berliner Ausgehkultur zu Ende gegangen, das lange Zeit sehr schön für das ominöse "Neue Berlin" gestanden hatte: Das Zucca, eine Mischung aus Bar und Café im schicken Bahnhofsgebäude, hat zu. Da haben offenbar nicht mal die vielen Touristen geholfen, auch nicht das - auch finanzielle - Engagement von Klaus Jürgen Behrendt. Der Bundeskanzler-Darsteller war über Jahre Teilhaber des Zucca gewesen, ein stiller, wie es stets hieß. Diese stille Teilhabe hat Behrendt freilich nicht davon abgehalten, auf der Internet-Seite aufzutauchen. Manchmal kellnerte Behrendt sogar mit seinem "Tatort"-Kollegen Dietmar Bär öffentlichkeitswirksam. Aber: alles vergebens. Klaus Jürgen Behrendt selbst war in Sachen Zucca übrigens nicht zu erreichen. Auf Anfrage verschickt seine Agentur in Köln einen autorisierten Text, in dem Behrendt schreiben lässt: "Da ich in die Geschäftsführung durch meine schauspielerische Arbeit gar nicht eingebunden war, ist die Situation für mich selbst überraschend. Bis vor wenigen Wochen habe ich durch die Erhöhung meiner Einlage immer wieder versucht, den Laden am Leben zu halten. Man hat mir allerdings davon abgeraten, mich weiter finanziell zu engagieren." Einer von Behrendts Wünschen erfüllte sich nicht. "Vielmehr als ich den Verlust eines wunderbaren Szenetreffs und meiner Investition bedaure, hoffe ich, dass die Arbeitsplätze durch die Übernahme eines neuen Pächters erhalten bleiben", schreibt er. Nachdem das Zucca im März in die Insolvenz gegangen war, ist es jetzt dicht. ------------------------------ Foto: Der Kurvenstar war wegen seines avantgardistisches Designs und seines Rufes in der HipHop-Szene international bekannt.

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