Die Schutzgeister sind zurück. Nach ihrer Restaurierung wurden am Donnerstag die zwölf gusseisernen Genien wieder in das Kreuzbergdenkmal eingebaut. Damit sind die Arbeiten an dem in frischem Grün lackierten Eisenaufbau abgeschlossen. Das Denkmal wird seit vier Jahren saniert und soll im kommenden Jahr fertig gestellt sein. Bereits am Sonnabend wird das Gerüst abgebaut. Das Denkmal auf dem Kreuzberg ist dann wieder weithin sichtbar.Genien sind Schutzgeister, die von den Römern als geflügelte Wesen und in der christlichen Kunst als Engel dargestellt wurden. Schutzgeister waren für Karl Friedrich Schinkel zum Beispiel die Mitglieder des Preußischen Königshauses und Generäle, die maßgeblichen Anteil an der Befreiung von Napoleon hatten. Schinkel schuf das Monument, das den Kreuzberg krönt, 1821 als Nationaldenkmal für die Befreiungskriege.600 Kilogramm GewichtDie Generäle Blücher und Yorck, Königin Luise und Prinz Leopold wurden durch die Kreuzberger Firma Engler & Haring gesäubert, mit Korrosionsschutz versehen und am Kranhaken wieder auf das Denkmal gehievt. Architekt Knud Petersen, der die Arbeiten organisiert, ist begeistert von der "fantastischen Qualität" der 600 Kilo schweren Figuren, die seinerzeit in der Königlichen Eisengießerei gefertigt wurden: "Sie haben Oberflächen, die sind wirklich makellos." Die Schöpfer wendeten damals Spitzentechnologie an. Denn schließlich produzierten sie auch Kanonen.Spitzentechnologie und neue Ideen brauchte auch Knud Petersen. Er drückt es so aus: "Hier gibt es einen ungewöhnlichen handwerklichen Prozess, mit dem ein normaler Schlosser und ein Restaurator überfordert sind." Schon vor 14 Jahren waren die Gusseisen-Konstruktion und ein Teil des Sockelbauwerks durch die Senatsbauverwaltung saniert worden. Doch weil sich das Wasser weiter seinen Weg suchte und die Mauern durchfeuchtete, musste sich Petersen etwas Neues einfallen lassen. Er entwickelte mit einem Statiker eine aufwändige Unterkonstruktion für die Granitstufen, die zum Denkmal führen: Ein Bauwerk aus 50 Tonnen Edelstahl trägt die 720 Stufen. Vorher lagen sie lediglich auf Mörtel. In Bitumen eingebettetes Schaumglas unter den Treppen ersetzt die alte Kunststoffdämmung der vorangegangenen Sanierung. "Jetzt haben wir eine Konstruktion, die gibt es nirgendwo in Berlin noch mal", sagt Petersen. Auch die Gusseisen-Platten am unteren Teil des Denkmals wurden abgenommen, das dahinter liegende Mauerwerk saniert und mit Edelstahl abgedichtet.Von "Pfusch" in den 80ern will Petersen lieber nicht sprechen. "Es gab gute Gründe, den Sockel nicht anzurühren. Restauratoren versuchen, die Originalsubstanz weitgehend stehen zu lassen", sagt er. Sicherlich seien damals falsche Entscheidungen gefällt worden.Die Kosten für die Denkmalsanierung betragen rund sieben Millionen Mark. Beteiligt sind unter anderem der Bund, das Land Berlin und die Deutsche Klassenlotterie. Im Frühjahr, wenn die restliche Million vom Land freigegeben wird, sollen die übrigen Treppenstufen montiert werden.Hightech war am Kreuzbergdenkmal schon immer im Spiel: 50 Jahre nach seinem Bau im Jahr 1871 hoben Techniker das Bauwerk per Hydraulik an. Sie drehten das Denkmal um 21 Grad in seine heutige Richtung. Dann bauten sie darunter die Gewölbe.Silvester sollen die meisten Bauzäune verschwunden sein. Baustadtrat Matthias Stefke (CDU): "Wir geben den Ort frei, damit die Leute von hier oben das Feuerwerk über der Stadt sehen können."