Was in Amsterdam und Venedig schon seit langem Touristen erfreut, soll es bald auch in Berlin geben. Direkt vor der wichtigsten Bahnstation der Stadt können die Reisenden auf Schiffe umsteigen, die sie durch das Zentrum fahren. Der Humboldthafen in Tiergarten, nur wenige Schritte vom künftigen Hauptbahnhof entfernt, soll wieder belebt werden. In dem Becken zwischen Spree und Invalidenstraße könnten von 2006 an Fahrgastschiffe, aber auch Sportboote und Museumsdampfer anlegen. Das sieht ein Konzept vor, das gestern in der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Berlin vorgestellt worden ist. "Schon jetzt sind die vielen Wasserflächen unserer Stadt Highlights im Berlin-Tourismus. Im vergangenen Jahr haben die 25 Fahrgast-Reedereien rund anderthalb Millionen Menschen befördert - von Rezession keine Spur", berichtete Frank Westphal, der Geschäftsführer der Stern und Kreisschifffahrt. "Dieses Angebot sollten wir nun ausbauen." Die Station, die von heute an Berlin Hauptbahnhof mit dem Zusatz Lehrter Bahnhof heißt, werde ein Touristen-Magnet sein. "Darum ist es für uns sehr wichtig, dass dort Fahrgastschiffe anlegen können", sagte Westphal. Sein Unternehmen und der Reederverband der Berliner Personenschifffahrt seien bereit, den Anleger zu bauen und zu betreiben. Der Steg könnte am Nordkai des Humboldthafens entstehen. Am Westufer sollen Museumsschiffe vor Anker gehen - zum Beispiel die 106 Jahre alte "Heinrich Zille". "Wir wollen ein lebendiges Museum schaffen, das die große Rolle der Schifffahrt für Berlin widerspiegelt", sagte Karl Manfred Pflitsch, Vizevorsitzender der Berlin-Brandenburgischen Schifffahrtsgesellschaft. Der Verein, dem 35 Wasserfahrzeuge gehören, betreibt den historischen Hafen an der Mühlendammschleuse. Bis 1994 war seine Sammlung im Humboldthafen stationiert. Pflitsch: "Wir berufen uns auf die Zusage der Senatsverwaltung, zurückkehren zu dürfen." Am Ostkai des Hafens wiederum könnte ein Liegeplatz entstehen, an dem Sportboote bis zu 24 Stunden lang bleiben dürfen. Heute gibt es 14 solcher Anlegestellen. "Wir stehen dem Konzept positiv gegenüber und steigen jetzt in die Genehmigungsplanung ein", sagte Bettina Kummerlöw, die stellvertretende Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin. Inzwischen liegt das Konzept bei Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) auf dem Tisch - mit der Bitte, den Uferzugang nicht zu verbauen. "Nur wenige Städte haben vorm Hauptbahnhof einen Hafen", sagte Christian Wiesenhütter, IHK-Geschäftsführer für Verkehr und Tourismus. "Berlin gehört dazu - und muss diese Chance wahrnehmen."25 Reedereien // Der Bahnhof: Wo bis Ende der fünfziger Jahre der Lehrter Bahnhof stand, entsteht bis 2006 eine neue zentrale Bahnstation für Berlin. Heute früh werden auf dem S-Bahnsteig die ersten Schilder mit dem neuen Namen montiert: "Berlin Hauptbahnhof" mit dem Zusatz "Lehrter Bahnhof".Der Hafen: Nebenan liegt der Humboldthafen, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Die Anlage an der Mündung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals in die Spree steht unter Denkmalschutz.Die Branche: Die 25 Reedereien wollen den Anleger im Humboldthafen gemeinsam betreiben. Sie haben 70 Schiffe und rund 500 Mitarbeiter.Foto: BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Still ruht der Kanal - noch. Der Humboldthafen neben dem künftigen Hauptbahnhof soll 2006 wieder belebt werden.