Aus einem Büro in der 13. Etage des Bahntowers am Potsdamer Platz drohte gestern eine Fensterscheibe herauszufallen. Mitarbeiter des Bürogebäudes hatten das lose Teil gegen 13.30 Uhr bemerkt und Alarm geschlagen. Die Polizei sperrte das Areal weiträumig ab. Deshalb kam es zu erheblichen Behinderungen. Der Verkehr auf den Straßen wurde umgeleitet. Fußgänger mussten längere Wege in Kauf nehmen. Mitarbeiter einer Spezialfirma seilten sich dann mit einem Fahrkorb vom Dach aus ab und tauschten die Fensterscheibe aus.Unklar ist, warum die Scheibe gesprungen ist. Sie soll jetzt, wie in solchen Fällen üblich, in der Bundesanstalt für Materialprüfung auf eventuelle Material- oder Montagefehler untersucht werden. Auch Spannungen in der Konstruktion könnten die Ursache sein. Spezialisten schließen auch Temperaturschwankungen als Ursache für den Bruch nicht aus.Krümel herausgebröseltCenter-Manager Peter Gollas sagte gestern Abend, dass kein Glas auf den Gehweg gefallen sei. Beim Herausnehmen des Glases seien lediglich einige Krümel herab gebröselt, so der Manager. Über die Höhe des Schadens wurde gestern nichts bekannt. Inzwischen wurde auch die Bauaufsicht des Bezirks Mitte informiert. Sie wolle sich noch einmal mit dem Glas-Hersteller in Verbindung setzen, hieß es. Die Scheibe besteht aus einlagigem Sicherheitsglas. Sie soll von dem Hersteller stammen, der vor Jahren die Scheiben für das Kaufhaus Lafayette in der Friedrichstraße geliefert hatte. Von diesen Scheiben waren zwischen 1997 und 1999 insgesamt sechs Stück geborsten und in einzelnen Teilen auf die Gehwege gefallen. Verletzt wurde niemand. Das Bezirksamt wies damals den Gebäudeeigentümer an, Netze zum Schutz der Fußgänger zu spannen. Untersuchungen ergaben, dass die Ursache für den Glasbruch ein Produktionsfehler war. Das Glas war verunreinigt. Außerdem war es starr eingebaut worden, so dass es sich bei Temperaturschwankungen nicht ausdehnen konnte. Deshalb mussten alle Scheiben ausgetauscht werden. Seitdem sei die Fassade sicher, hieß es gestern.Ähnlich spektakulär waren Glasbrüche am Auswärtigen Amt im August 2000, als ein komplettes Fenster im Rahmen auf den Gehweg stürzte und drei Jahre später am Fernsehturm am Alexanderplatz. Dort riss eine Panoramascheibe in der Kugel des Turms. Auch in der Glasfassade des Hauptbahnhofs wurden im vergangen Jahr Risse entdeckt, so dass mehrere Scheiben ausgewechselt werden mussten.Der Center-Manager des Bahntowers spricht von Einzelfällen. In dem Gebäude seien tausende Glasteile verbaut worden. An der Glasfassade des 103 Meter hohen Bahntower war zuletzt am 22. April dieses Jahres in der 23. Etage eine Scheibe gesprungen. (ls.)