Der Spaß ist das Wichtigste. Es gibt keine politische Botschaft, nur eine Parole. Und die heißt "Hunger!"Etwa 1 500 Jugendliche haben am Sonnabend der Fast-Food-Kette McDonald's am Ostbahnhof einen Rekordumsatz beschert. Für 10 715 Euro gaben die Teenager gegen 16 Uhr eine Massenbestellung bei den Mitarbeitern der Filiale ab. Im Laufe der kommenden sechs Stunden verspeisten sie 5 000 Cheeseburger, 4 148 Hamburger und 1 206 Chickenburger. "Das war ein voller Erfolg", sagt Marcel Kampp von der Sturm Crew Berlin. Mit Sicherheit auch für McDonald's.Die Sturm Crew Berlin gehört zu einer bundesweit agierenden Jugendgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, McDonald's-Filialen in Städten mit Massenbestellungen an die Grenze ihres Leistungsvermögens zu bringen. Nur so zum Spaß. "Es ist doch lustig, die verdutzten Gesicher der Mitarbeiter zu sehen und die der Passanten", sagt Kampp. Burgersturm heißt der bundesweite Wettbewerb.Ihren Ursprung hat er wiederum in einer Aktionsform, die sich Flashmob nennt, was so viel heißt wie Blitzauflauf: Spontan treffen sich Menschen für kurzzeitige Aktionen, um ihre Umwelt zu irritieren. Wie angewurzelt bleiben sie kurz im Kaufhaus stehen, veranstalten Kissenschlachten auf Plätzen oder Laufaktionen durch enge Gassen, die Entgegenkommende zum Mitmachen zwingen. Oft haben diese Aktionen einen politischen und künstlerischen Grund, etwa wenn sich die Aktionen gegen die Privatisierung der Bahn richteten.Doch bei Burgersturm-Wettkämpfen geht es nur ums Essen. Niemand will McDonald's kritisieren. Zweimal zogen die Massen schon durch Berlin. Auch in Kiel, Braunschweig, Leipzig und München platzten Jugendliche plötzlich in McDonald's-Läden, schrien laut "Hunger!" und bestellten massenweise Hamburger.Längst hat sich der Wettkampf auf Berlin und München konzentriert. Bisher hielten die Münchner Fast-Food-Freunde den Rekord. Im Januar 2008 hatten sie 4 500 Burger bestellt.Den Rekord brachen die Berliner am Sonnabend. Auf Internetseiten, per E-Mail, Handy-Rundruf und SMS hatten die Organisatoren die Anhänger der "Burger-Bewegung" aufgerufen, sich um 15 Uhr am Alex zu treffen. "Man muss sich aufeinander verlassen können, dass es jeder jedem weitererzählt, sonst funktioniert so etwas nicht", sagt Kampp.Die Polizei war überrascht, keiner hatte die Aktion angemeldet. Hektisch sicherten Polizisten naheliegende Filialen im Bahnhofsgebäude und in der Alexa. Doch da wollte der Burger-Pulk gar nicht hin. Mit der S-Bahn fuhren die Teenager zum Ostbahnhof. Geld wurde eingesammelt, wer bezahlte, erhielt Coupons. Hundertschaften der Bundespolizei übernahmen die Kontrolle. Alles blieb ruhig. Mit vollem Bauch hat offenbar niemand Lust auf Randale. Genau das sei ja das Gute an der Aktion, sagt Marcel Kampp. "Wenn wir die Jugendlichen zum Burgersturm zusammenrufen, gibt es in dieser Zeit viel weniger Kriminalität." Ist die Aktion ein Projekt gegen Jugendgewalt? Und McDonald's der Sponsor?Natürlich nicht, heißt es aus der Münchner Firmenzentrale. "Diese Aktionen sind schon etwas unheimlich, aber auch eine große Herausforderung", sagte McDonald's-Sprecher Alexander Schramm gestern. Aus dem Internet sei das Unternehmen informiert gewesen, die Kühllager aller Berliner Filialen waren "komplett gefüllt". "10 000 Burger zu essen, das ist schon eine extreme Leistung", sagte Schramm.------------------------------"Diese Aktionen sind schon etwas unheimlich, aber auch eine große Herausforderung." Alexander Schramm, Sprecher McDonald's------------------------------Foto: 1 500 Jugendliche verspeisten am Sonnabendnachmittag gemeinsam Unmengen von Hamburgern.