"Her mit den kleinen Engländerinnen" - der Filmtitel aus den 70er Jahren wird zum Motto der Pariser Modeszene. Weil sich das Kreativzentrum London als starke Konkurrenz für die Modehauptstadt Paris erweist und die britischen Jungdesigner John Galliano bei Dior und Alexander McQueen bei Givenchy zwei der wichtigsten Positionen der Modeszene erobert haben, sind nun auch britische Ladys als Musen gefragt.Seit längerem versucht Couturier Karl Lagerfeld, mit internationalen Starmodels das Image des traditionsreichen Hauses Chanel aufzufrischen. Letzthin wurde nach Ines de la Fressange und Claudia Schiffer die aparte britische Aristokratin Stella Tennant, Enkelin des Herzogs von Devonshire, aufs Podest gehoben. Die neuste Wunderwaffe im eskalierenden Krieg der großen Modehäuser aber heißt Lady Amanda Harlech (36). Die elegante Schloßherrin und Mutter zweier Kinder, war 12 Jahre lang beratende Freundin von John Galliano.Nach dessen Eintritt bei Christian Dior bot man ihr dort zwar eine Stelle an, die jedoch nicht ihren Erwartungen entsprach. Designer-Freund Galliano hielt sie nicht zurück - und der dreijährige Beratervertrag von Chanel wirkte wohl unwiderstehlich. Lady Harlech wählte den Wechsel.Bei Chanel ist ihre neue Rolle nicht genau definiert. Doch da die Lady über Charme, Schick und reiche Kontakte zur englischen und amerikanischen Gesellschaft verfügt, liegt sie wohl irgendwo zwischen Public Relation und künstlerischer Beratung. Nach den Motiven für seine neuste Personalentscheidung befragt, wies Karl Lagerfeld auf die schon historische Verbindung zwischen Chanel und der englischen Aristokratie hin. Womit er wohl auf die langjährige Liaison von Coco Chanel mit dem Herzog von Westminster in den 20er Jahren anspielt. Diese lockte nicht zuletzt neue Kundinnen über den Ärmelkanal.Und er schwärmt von Lady Amanda: "Ich finde sie unwiderstehlich. Den Dialog mit einer intelligenten, sensiblen, brillanten Frau, die eine moderne Auffassung von Mode hat, brauche ich im Studio. Aber, sagen Sie nicht, daß sie meine Muse sein wird. Ich will keine Muse. Nur das Auge einer Außenstehenden, die als Inkarnation einer Coco Chanel der 90er Jahre gelten kann." Bemerkenswert ist, daß Lagerfeld erstmals kein blutjunges Geschöpf zum neuen weiblichen Idealbild erhebt, sondern eine reife Frau und Mutter. +++