BERLIN, 7. September. Wie zerstörerisch die Agrarsubventionen der Industrieländer auf Entwicklungsländer wirken, spüren seit einigen Jahren Mexikos Maisbauern. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Oxfam betrugen im Jahr 2000 die Zahlungen der US-Regierung an ihre Maisfarmer 10,1 Milliarden Dollar. Das sei das Zehnfache des gesamten mexikanischen Agrarbudgets, so Oxfam. Allein den Maisexport nach Mexiko fördere die US-Regierung mit jährlich 105 bis 145 Millionen Dollar. Mais ist damit das am höchsten subventionierte Agrargut der USA.Die Folge der Subventionen ist eine gewaltige Überproduktion, die zu Billigpreisen exportiert wird - unter anderem nach Mexiko, das 1994 seinen Agrarmarkt für die USA und Kanada geöffnet hat. Seitdem hat sich der US-Maisexport in das Land verdreifacht - ein gutes Geschäft für die US-Agrarexporteure wie die mexikanischen Importeure. 30 Prozent beträgt inzwischen der Anteil von Importmais in Mexiko, dem Heimatland des Mais. Preisverfall bringt ArmutDer Preis für Mais ist unter anderem wegen der Konkurrenz durch importierten Billig-Mais seit 1994 um 70 Prozent gefallen. Das hat katastrophale Folgen für die 15 Millionen Mexikaner, die vom Maisanbau leben. "Haushaltseinkommen gehen zurück, die Ernährungslage verschlechtert sich", so Oxfam. Durch den Preisverfall bei Mais und bei Kaffee lebten nach Schätzungen heute im mexikanischen Bundesstaat Chiapas rund 70 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut.Die USA ihrerseits streiten vor der Welthandelsorganisation (WTO) hingegen ab, ihren Maisexport regelwidrig zu unterstützen. Denn laut WTO-Reglement sind Agrarexportsubventionen nur solche Zahlungen, die den Bauern die Differenz zwischen (hohen) Weltmarktpreisen und (niedrigen) Exportpreisen bezahlen und so Bauern einen Anreiz bieten, immer mehr zu produzieren. Tatsächlich zahlt Washington vor allem pauschale, also preisunabhängige Summen an seine Bauern, verletzt also nicht die WTO-Regeln. "Bei den Geldern für Mais handelt es sich um De-facto-Subventionen", meint dagegen Oxfam. Die WTO-Bestimmungen seien ungerecht und zum Vorteil der Industrieländer konstruiert. Das zeige schon die Tatsache das die Hälfte aller US-Agrarsubventionen nach WTO-Lesart nicht die Produktion erhöhen, also erlaubt sind. (kau.)