NEUKÖLLN. Den Eröffnungstermin im April konnten die Erbauer von Berlins größter Moschee nicht einhalten. Jetzt ist die Sehitlik am Columbiadamm zwar so gut wie fertig, aber eine baldige Eröffnung scheint derzeit ungewisser denn je. Wie erst gestern bekannt wurde, hat das Neuköllner Bauamt am Montagnachmittag einen Baustopp verhängt. Gleichzeitig leitete der Bezirk ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Bauherren ein, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib).Die Behörde wirft der Union vor, gegen die Baugenehmigung verstoßen zu haben. Das bestätigte Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) gestern auf Nachfrage. "Minarette und Kuppel wurden höher gebaut als von uns genehmigt war", sagte sie. So seien die Minarette statt 28,60 Meter 37,1 Meter hoch. Das hätte eine Untersuchung des Vermessungsamtes ergeben. Auch die Kuppel der Moschee wurde vier Meter höher gebaut. "Am Columbiadamm steht jetzt ein Bauwerk, von dem wir nicht wissen, ob es überhaupt sicher ist", begründete die Stadträtin den Baustopp. Jetzt prüfen Ingenieure die Statik des Bauwerkes. Seit fünf Tagen darf niemand mehr auf der Baustelle arbeiten. Bei Verstoß droht dem Verein Ditib ein Zwangsgeld in Höhe von 10 000 Euro. "Unsere Pläne zur Eröffnung sind nun alle durcheinander geraten", sagt Recep Türkoglu vom Vereinsvorstand. Er bezweifelt, dass das Bauamt die Höhe der Minarette und der Kuppel richtig gemessen hat. Ein Ingenieurbüro soll jetzt eine "neutrale Messung" übernehmen, sagt Türkoglu. Woher stammt das Elfenbein? In der Sehitlik-Moschee finden bis zu 1 500 Muslime Platz. Bereits jetzt beten die Gläubigen dort fünfmal am Tag, obwohl es bisher noch keine Bauabnahme für die Moschee gegeben hat. Die offizielle Eröffnung könnte sich aber nicht nur wegen des Baustopps verschieben. Nach Information der Berliner Zeitung sollen prunkvolle Verzierungen im Innern der Sehitlik-Moschee aus Schildpatt, der Rückenplatte von Schildkröten, und aus Elfenbein stammen, die nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Das Material könnte von Tieren stammen, die vom Aussterben bedroht sind und deren Schutz im Washingtoner Artenschutzabkommen festgelegt wurde. Bis Ende September muss der Verein Ditib nachweisen, dass Elfenbein und Schildpatt von Tierarten stammen, die nicht geschützt sind. Kann er das nicht, müssen die Verzierungen abgebaut werden. Baustadträtin Stefanie Vogelsang bezeichnet die Vorfälle rund um die Sehitlik-Moschee als "sensible Angelegenheit". "Die Moschee ist ein architektonisches Bauwerk, auf das Berlin noch in 50 Jahren stolz sein kann", sagt sie. Und auch im Ausland ist das Interesse an der Sehitlik-Moschee sehr groß. Erst vor wenigen Tagen hatte der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan den 1,5 Millionen Euro teuren Prachtbau besucht.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Die Minarette der Sehitlik-Moschee ragen in den Himmel. Allerdings zu hoch.

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