In der Umgangssprache ist häufig vom Amtsschimmel die Rede, wenn sich Bürger über die Langwierigkeit bürokratischer Verfahren ärgern. Woher der Ausdruck kommt, möchte Helga Kleine aus Spandau wissen."In der Fachliteratur werden zwei Erklärungsmöglichkeiten erwogen", so Dr. Ulrich Möllmann vom Lehrstuhl für Linguistik an der FU. Zum einen wird vermutet, daß das Wort aus dem schweizerischen Sprachgebrauch kommt und mit der Redewendung "auf dem obrigkeitlichen Schimmel herumreiten" zu tun hat. Im 19. Jahrhundert war es nämlich Sitte, daß die Schweizer Amtsboten auf Pferden ihre Akten zustellten. Damals wie heute ein Herumreiten auf Paragraphen und Vorschriften also. Diese These findet Möllmann am plausibelsten.Nicht abwegig hingegen ist auch die Vermutung, daß mit dem Amtsschimmel der Staub auf den Aktendeckeln gemeint ist. Eine zweite wissenschaftliche Erklärung bietet das Wort "simile". Das war ein vorgedrucktes Formular der österreichischen Kanzleien, nach dessen Vorgabe die Fälle erledigt wurden. Bürokratisch sozusagen.Häufig hören wir den Amtsschimmel aber auch heute noch wiehern. Wer ihn auch sehen möchte, sollte die Kreisverwaltung Ahrweiler bei Bonn besuchen. Dort nämlich gehört der Amtsschimmel schon zum Alltag. Als Plastik in Bronze steht er vor dem Gebäude, neben ihm ein ebenfalls bronzener Bürger, der verhindert, daß der Amtsschimmel Einzug in die Behörde halten kann. Die Eselsohren hat der Schimmel in Ahrweiler aber zu Unrecht. Denn hier verhindern Schalk und Selbstironie, daß der Schimmel die Möglichkeit bekommt, im Innern des Gebäudes zu wiehern. Rufen Sie uns an. Wir werden Ihren Hinweisen bei den Behörden nachgehen. +++