In Berlin ist die erste Ampel auf Rundum-Grün für Fußgänger eingerichtet. Seit Dienstag läuft an der Ecke Friedrichstraße/Kochstraße ein Modellversuch der Senatsverkehrsverwaltung. Dort schalten die Fußgängerampeln nun nicht mehr nacheinander auf Grün um, sondern fast gleichzeitig. Für den Autoverkehr heißt das im Gegenzug: Rundum-Rot. Die Autofahrer auf der Kochstraße müssen nun statt 37 Sekunden 50 Sekunden auf die nächste Grünphase warten. Die Rotphase an der Friedrichstraße dauert statt 53 jetzt 56 Sekunden. Die Fußgänger haben zwischen 15 und 20 Sekunden Zeit, die Koch- oder die Friedrichstraße zu passieren.Mehr Sicherheit für FußgängerVerkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) begründete den Versuch mit der größeren Sicherheit für die Fußgänger beim Überqueren der Straße. "Gerade rechts abbiegende Autofahrer übersehen häufig Fußgänger, gerade auch Kinder", sagte die Staatssekretärin.Nach Angaben der Polizei ereigneten sich allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 729 Unfälle mit Fußgängern. Im gesamten vergangenen Jahr gab es 3 087 Unfälle. Wie die Polizei mitteilte, waren an den meisten Unfällen abbiegende Autofahrer Schuld.Laut Krautzberger ist das "Rundum-Grün" in der Friedrichstraße der erste derartige Versuch in einer Millionenstadt. In Aachen habe man aber positive Erfahrungen mit einer derartigen Schaltung gemacht. Bei traditioneller Rot-Grün-Schaltung gab es in neun Stunden 95 Fast-Unfälle zwischen abbiegenden Autofahrern und Fußgängern. Bei der Rundum-Grün-Schaltung ereignete sich nicht ein Zwischenfall. Der Berliner Modellversuch soll in sechs Wochen ausgewertet werden. Bei einem positiven Ergebnis wird die neue Schaltung auf weitere Kreuzungen ausgedehnt.Die ersten Probleme der neuen Schaltung wurden am Dienstag aber schon nach wenigen Minuten offenbar. Auf der Kochstraße stauten sich die Autos bis zur Wilhelmstraße zurück. Auf der Friedrichstraße gab es Stop-and-Go-Verkehr schon von der Puttkammerstraße. Bei den Fußgängern stellte sich heraus, dass die Grünphasen von Koch- und Friedrichstraße so ungünstig aufeinander abgestimmt sind, dass ein Überqueren beider Straßen in einer Grünphase für ältere Menschen und Eltern mit Kindern kaum möglich ist. Monika Hecht, Mutter zweier Kinder, lehnte die neue Schaltung ab. "Bisher wurden die Ampeln nacheinander passend grün. Jetzt müssen wir laufen oder warten", sagte sie. Einige Autofahrer schimpften auch über die langen Rot-Phasen. Der Fußgängerschutzverein forderte, dass es wie in Japan auch möglich sein soll, die Kreuzung diagonal zu überqueren. Das lehnte die Verkehrsverwaltung aus Sicherheitsgründen ab. "Wir haben ja auch eine Gelb-Phase für den Autoverkehr. In anderen Ländern springt die Ampel gleich von rot auf grün um", sagte Konstantin Wardakas von der Verkehrsverwaltung. "Wir haben halt ein anderes Sicherheitsverständnis."DIE NEUE AMPELSCHALTUNG Stop (für Autos) und Go (für Fußgänger) // Die neue Ampelschaltung soll mit einem Rot für alle Autos ein sicheres Überqueren der Straße für die Fußgänger ermöglichen.1 904 Ampeln gibt es in Berlin. Im vergangenen Jahr gab es 3 087 Unfälle, bei denen Fußgänger verletzt wurden - meistens von Rechtsabbiegern.BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS Die Ampeln in der Kochstraße bevorzugen nun die Fußgänger.