An der Steinbeis-Hochschule startet der Studiengang Medical Psychology. Leiter Wolfgang Albert im Interview: Gesunder Geist und gesunder Körper

Herr Albert, es heißt, ein gesunder Geist könne nur in einem gesunden Körper wohnen. Ist das der Grundgedanke des neuen Studiengangs Medical Psychology?Wir wissen, dass körperliche und psychische Prozesse miteinander interagieren. Ein Beispiel: Unser Kooperationspartner, das Deutsche Herzzentrum Berlin, ist bekannt für sein Kunstherzprogramm. Eine solche Transplantation ist für viele Patienten lebensrettend. Auf der anderen Seite erzeugt ein derart drastischer Eingriff große Unsicherheit: Allein die Vorstellung, dass eine Maschine das wichtigste Organ des Körpers ersetzen soll, kann zu schweren Krisen führen, die in psychische Erkrankungen wie Depressionen, Panikattacken oder psychosomatische Störungen münden. Wenn Patienten deswegen dann lebenswichtige Medikamente nicht einnehmen oder Nachsorgeuntersuchungen versäumen, hat das einen negativen Effekt auf die somatische Situation. Das wirkt sich wiederum auf die Psyche aus -ein Teufelskreis. Für Psychologen eröffnet sich hier sowohl in der prä- als auch der postoperativen Betreuung der Patienten ein Arbeitsfeld. Medizinpsychologisches Wissen wird hierzulande seit Jahrzehnten gelehrt. Was ist an der Steinbeis-Hochschule anders?Durch die enge Kooperation zwischen der Hochschule und dem Herzzentrum bewegen sich die Studierenden in einer praxisnahen Umgebung. Der Einblick in die moderne Hightech-Medizin sorgt dafür, dass Studierende mit den neuesten medizinischen Standards vertraut sind. Sie sehen auch, welche psychischen Anforderungen die moderne Medizin an die Patienten stellt.Ihre Studenten werden also sensibilisiert für das Miteinander von Körper und Psyche. Wie spiegelt sich das in der Lehre wider?Wenn eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, die möglicherweise mit dem Tod endet, ist davon auszugehen, dass Patienten in eine tiefe psychische Krise stürzen. Studierende der Medical Psychology treten mit solchen schwerkranken Patienten in Kontakt und arbeiten mit ihnen. So erleben sie die Interaktion von Körper und Psyche in der Praxis. Dafür ist neben psychologischer Fachkompetenz natürlich ein fundiertes medizinisches Wissen erforder lich. Das vermitteln wir den Studierenden in den theoretischen Kompaktseminaren ebenfalls.An wen richtet sich ihr Angebot?An alle Diplompsychologen und Bachelor-Absolventen der Psychologie, die ihre Kenntnisse erweitern und mit medizinischen Inhalten verbinden wollen. Darüber hinaus setzen wir bei unseren Studenten ein ausgeprägtes Interesse an klinischer Psychologie, psychischen Störungen, ihrer Vorbeugung, Behandlung und Nachsorge im Zusammenhang mit medizinischen Erkrankungen voraus.Wie ist das Studium gestaltet?Das Masterstudium gliedert sich in vier Semester. Die theoretischen Inhalte werden in einwöchigen Kompaktseminaren, die ein bis zwei Mal im Monat stattfinden, vermittelt. Das erworbene Wissen arbeiten die Studenten zudem selbstständig auf und wenden es darüber hinaus im direkten Kontakt mit Patienten an.Wo finden Absolventen später Beschäftigungsfelder?Sie finden Berufsfelder vor allem dort, wo ein Defizit an psychologischer Kompetenz besteht und Patienten ausschließlich in Bezug auf ihr somatisches Leiden behandelt werden: in Akut- und Rehabilitations-Kliniken oder ambulanten medizinischen Einrichtungen zum Beispiel. Das fundierte Wissen aus den zwei Fachbereichen Psycholgie und Medizin befähigt sie einerseits dazu, psychologische Betreuung zu leisten. Andererseits können sie beratend tätig sein, zum Beispiel im Rahmen von Programmen zur Psychoedukation und nehmen eine wichtige Mittlerposition zwischen Ärzten und Patienten ein.Interview: Andrea Frey------------------------------Zur Person: Wolfgang Albert ist Arzt für psychosomatische Medizin und Allgemeinmedizin, Psychologe und Psychoanalytiker. Er leitet die Psychosomatik und das Medizinische Versorgungszentrum im Deutschen Herzzentrum Berlin, einer der bedeutendsten Kliniken für Erkrankungen des Herzens. Mehr Infos zum Studiengang findet man im Internet.http://tinyurl.com/6btbjfh------------------------------Foto: Schwerkranke brauchen Zuspruch - zum Beispiel von speziell geschulten Psychologen.