An diesem Institut geht es ums Ganze: BEIM THEMA LEBENSWISSENSCHAFTEN ARBEITEN DIE HU, DAS MAX-DELBRÜCK-CENTRUM UND DIE CHARITÉ ENGER ZUSAMMEN

Gute Wissenschaft ist gelebte Zusammenarbeit über Fächer- und Institutsgrenzen hinweg. Dessen ist sich Andreas Herrmann, Professor für Molekulare Biophysik an der Humboldt Universität, ganz sicher. Gerade die Lebenswissenschaften, also Biologie, Chemie oder Medizin, sind inzwischen so komplex geworden, dass Wissenschaftler von Grundlagenforschung bis zur Anwendung immer stärker auf interdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen sind.äWenn man eine Krankheit von der Zelle bis zum Patienten erforschen will, dann muss man auf die unterschiedlichsten fachlichen und technischen Kompetenzen und Infrastrukturen zurückgreifen", sagt Herrmann. Biologische Forschung ist heute hochgradig arbeitsteilig und fächerübergreifend. Zellbiologen untersuchen beispielsweise Prozesse in Krebszellen oder die Wirkung von Viren auf Zellen, um dann zusammen mit Bioinformatikern und theoretischen Biologen entsprechende Computermodelle zu erstellen. Damit können Forscher Wirkstoffe oder Medikamente am Computer ‚virtuell' ausprobieren, bevor die Kombinationen dann in aufwendigen Laborstudien experimentell überprüft werden. Aus diesem Grund haben die Humboldt-Universität, das in Berlin-Buch angesiedelte Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité eine umfassende Kooperation vereinbart. Gemeinsam getragene Professuren, eine gemeinsame Nachwuchsförderungen und ein institutionenübergreifendes Fellowprogramm, um internationale renommierte Wissenschaftler nach Berlin zu holen, sind ein Teil davon. Im Mittelpunkt steht jedoch das neue Integrative Forschungsinstitut (IRI) für Lebenswissenschaften. Es wird in Berlin-Mitte, unweit des Bettenhauses der Charité, auf dem Campus-Nord der Universität entstehen. Erklärtes Ziel des IRI ist es, sich nicht allein auf die molekulareGrundlagenforschung zu konzentrieren, sondern die Forschungsergebnisse in ihren ganzheitlichen Konsequenzen für den Patienten in den Blick zu nehmen. äIm Idealfall steht am Ende eine Erkenntnis, ein medizinisches Produkt oder Medikament, das dem Patienten hilft oder zu neuen Möglichkeiten in der Prävention, Diagnostik oder Therapie von Krankheiten führt", sagt Professor Herrmann. Die Humboldt-Universität hat für das IRI, das ein wichtiger Baustein im Bewerbungsverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft um den Status einer Eliteuniversität ist, eigens Baufläche für das vom Max-Delbrück-Centrum getragene Berliner Institut für Medizinische Systembiologie bereitgestellt, in dem über 20 Forschergruppen in naher Zukunft gemeinsam mit der HU und der Charité forschen und lehren werden. Nur wenige Meter entfernt wird ein weiteres Forschunsgebäude für die Biologen der Humboldt-Universität entstehen. äWo außer in Berlin können Sie so einen Komplex noch mitten in der Stadt errichten!", begeistert sich Herrmann und hofft, dass das neue Institut rasch seine Rolle als interdisziplinäres Koordinationszentrum einnehmen wird. Der Campus-Nord biete beste Voraussetzungen für die langfristig geplante Errichtung eines Wissenschaftsparks für die Lebenswissenschaften, sagt Herrmann. In der Nachbarschaft befinden sich nicht nur die Charité und das Museum für Naturkunde, sondern auch das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und das Deutsche Rheumaforschungszentrum. Das IRI soll auch dafür sorgen, dass die kostspieligen Forschungsgeräte gemeinsam optimal genutzt werden können. Eine weitere Aufgabe des IRI ist die Koordination und Vertiefung der Kontakte zu außeruniversitären Forschungspartnern und der Wirtschaft. Die schon jetzt bestehenden Kooperationen, beispielsweise mit Bayer Schering in der Entwicklung von Medikamenten oder mit den Herstellern von Präzisionsinstrumenten für die neuen Labore, sollen zukünftig noch intensiviert werden. Auch die Gründung von Unternehmen, die vom Knowhow des Forschungsinstituts profitieren, kann sich Herrmann vorstellen. Auf jeden Fall soll die bestehende Verbindung zum Technologiezentrum in Adlershof und zu den naturwissenschaftlichen Einrichtungen der HU auch in Zukunft weiter ausgebaut werden.Doch nicht nur Unternehmen würden von der neuen Einrichtung profitieren, meint Herrmann. Die enge Verklammerung von Forschung und Lehre sei auch ein Pluspunkt für Studierende. Schon im Bachelor-Studiengang können sie mit Spitzenwissenschaftlern an aktuellen Fragestellungen forschen. Für Fortgeschrittene Studierende soll ein neuer Masterstudiengang Systembiologie eingerichtet werden. Sven Jüngerkes