Kinder warteten an jedem Sonntagabend im DDR-Fernsehen ab 19 Uhr sehnsüchtig darauf, dass die Zahlen 14 und 10 gezogen wurden. Ältere Zuschauer freuten sich besonders über die 34 und die 4. Das "Telelotto" ist bis heute die einzige Lotto-Show im deutschen Fernsehen geblieben, bei der die Ziehung der Glückszahlen kein störendes Beiwerk war, sondern im Mittelpunkt stand. Der Trick war ziemlich einfach: Nach der Ziehung jeder Zahl wurde ein kurzer, etwa drei Minuten langer Beitrag gezeigt. Jede Zahl bedeutete eine bestimmte Rubrik. Wurde die 14 gezogen, folgte eine Szene aus dem Bereich "Humor", etwa ein Sketch zwischen Herricht und Preil. Die 10 war mit der Rubrik "Frecher Zeichenstift" verbunden. Hier warf meist der bei Kindern sehr beliebte Taddeus Punkt in seinem Dachatelier eine lustige Skizze aufs Blatt. Fiel die 34, folgte Volksmusik, die 4 bedeutete ein Stück Blasmusik. So hatten alle "Telelotto"-Zuschauer ihre Lieblingszahlen, auch diejenigen, die gar keinen Tippschein gekauft hatten. Richtig reich werden konnte man bei diesem Lotto "5 aus 35" ohnehin nicht - statt Millionen gab es meist nur ein paar Tausender. Jede "Telelotto"-Ausgabe wurde von einem Prominenten moderiert, meist handelte es sich dabei um einen Schauspieler, Sänger oder Fernseh-Ansager. Der eigentliche Star der Sendung aber war das klobige Ziehungsgerät, eine typische Konstruktion aus sozialistischer Produktion, die eher an die Tüftelei eines Hobby-Bastlers erinnerte. Requisiteure des DDR-Fernsehens hatten 1972 eine 1,30 Meter hohe Plast-Schnecke von zwei Meter Durchmesser geformt. In deren Mitte wurde eine Holzkugel hydraulisch nach oben befördert, die dann die Bahn entlang der Schnecke außen herum nach unten rollte und auf ihrem Weg einen der 35 Kegel umwarf, die auf einem Ring um die Schnecke rotierten. Allein das sekundenlange Rollen der Kugel, ihr Poltern und das Umwerfen des Kegels begeisterte jedes technisch interessierte Kind. Beifall vor dem Bildschirm aber gab es hauptsächlich, wenn die Kugel ausgerechnet an einer Stelle auf den Kegelring traf, wo bereits ein Kegel umgeworfen worden war. Dieses Ereignis, das logischerweise eher gegen Ende der Sendung auftreten konnte und etwa einmal im Monat passierte, wurde als "Durchläufer" bezeichnet. Sätze wie "Das war ein Durchläufer, Herr Rohr!" fanden sogar Eingang in die Alltagssprache. Walter Rohr war der stets anwesende Ziehungsleiter des VEB Wettspielbetriebe und im Osten etwa so populär wie der Postbeamte Walter Sparbier vom "Großen Preis" im Westen. Für das DDR-Fernsehen erwies sich die Sendung "Telelotto" als echter Durchläufer - von 1972 bis 1990 lief sie ohne Unterbrechung. Ende der 80er-Jahre allerdings war die Plast-Schnecke von einer modernen Glastrommel mit Zahlenkugeln ersetzt worden. Auch das kultige Maskottchen, das Kegelmännchen, verschwand. Doch damit verlor die Lottosendung viel an Reiz.