Zu seinen Lebzeiten wollte Dr. Otto Korfes (1889-1964) keine Biographie schreiben. Dort, wo er lebte, hätte er "vieles, was ihm wichtig erschien, verschweigen, wenn nicht sogar verfälschen müssen".Gegenüber der ältesten Tochter, die nun den Lebensweg des Vaters nachgezeichnet hat, motivierte er dieses Nein mit dem einfachen Satz: "An Schwindelei beteilige ich mich nicht." Doch ebenso eindeutig wird in Wort, Schrift und Tat bezeugt, daß der Pastorensohn und ehemalige Berufsoffizier, der Teilnehmer zweier Weltkriege, kein "Kommißkopf", sondern Geschichtswissenschaftler von Rang, dem eigenen Gewissen gehorchte, als er nach dem befohlenen Selbstmord der deutschen 6. Armee bei Stalingrad mit dem Hitlerregime brach und im Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) aktiv wurde.Der Kommandeur der 295. Infanteriedivision und andere ähnlicher Herkunft und Denkart, vor allem die Männer und Frauen des 20. Juli, in deren erster Reihe Korfes' Schwager Oberst Albrecht Mertz von Quirnheim stand, wurden im Deutschland des Hakenkreuzes als "Hochverräter" diffamiert. Mertz hatte es seiner Schwester Gudrun Korfes am 25. Juni 1944 vorausgesagt.Und bald waren beide Familien gnadenloser Sippenhaft unterworfen, lernten Gestapo, Gefängnis und KZ kennen. Korfes' zweiter Schwager, der Oberregierungsrat und Major Dr. Wilhelm Dieckmann, wurde nach bestialischen Verhören am 13. September 1944 hinterrücks erschossen, die Sterbeurkunde des Standesamtes Berlin-Tiergarten nannte es " gegen 23.15 Uhr in Berlin, Lehrter Str. 3, tot aufgefunden".Auch darüber sollten später im gespaltenen Deutschland ungezählte zwischenmenschliche Beziehungen zerreißen. Korfes erlebte es selbst, als er sich nach mehr als fünfjähriger Kriegsgefangenschaft entschloß, in der nachmaligen DDR zu arbeiten. Seine Loyalität, die unterwürfiger Konformismus war, entsprang der Überzeugung, an seinem Platz für ein ungeteiltes, demokratisches Heimatland wirken zu können.Allerdings sollten seine Betrachtung und Bewertung wichtiger Abschnitte unserer Geschichte, wie parteifromme Gutachter meinten, "auf keinen Fall mehr Verbreitung finden". Sigrid Wegner-Korfes tat recht daran, Gründe für Haltung und Handeln des Vaters aufzublättern und durch hochinteressante Einzeltatsachen zu ergänzen. Sie hat ein Buch vorgelegt, das den schwierigen Prozeß zur inneren Einheit der Deutschen zu unterstützen vermag. Sigrid Wegner-Korfes, "Weimar - Stalingrad - Berlin", Das Leben des deutschen Generals Otto Korfes, Verlag der Nation, Berlin, 24,80 Mark. +++