BERLIN, 30. August. Die für den heutigen Donnerstag erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird auf die Aktienmärkte kaum Auswirkungen haben. Auch dem Euro wird der Schritt kaum etwas nutzen. "Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent sind in den Aktien- und Euro-Kursen weitgehend enthalten", sagt Jörg Bungeroth, Aktienstratege bei der DG Bank. An den Märkten aber werde "die Zukunft gespielt", und daher orientiere sich der Euro-Kurs nicht nach aktuellen Zinserhöhungen, sondern nach erwarteten Zinserhöhungen. "Daher kommt es darauf an, wie die EZB ihren Schritt erklärt und ob sie weitere Zinsschritte andeutet", erklärt Christoph Hausen, Volkswirt bei der Commerzbank. Euro bleibt SorgenkindEs sei ziemlich sicher, dass die EZB agieren werde. "Der durchschnittliche Zuteilungssatz beim letzten Mengentender-Verfahren lag bereits bei 4,70 Prozent", sagt Hausen, "insofern würde die EZB nur nachziehen." Uneinigkeit besteht bei den Experten, ob mit einer Erhöhung der Zinsen um 25 Basispunkte der Zinsgipfel erreicht sei. In jedem Fall wird von der Zinsseite her kaum Unterstützung für den Euro oder für die Aktienmärkte erwartet. "Wenn am Donnerstag nichts passiert, dann wird die Zinsspekulation einfach bis auf den nächsten EZB-Termin Mitte September weitergereicht", meint Matthias Jörss, Aktienstratege bei der BHF-Bank. "Wenn sie um 25 Basispunkte raufgeht, könnte es das fürs Erste gewesen sein." Gefährlich werde es aber, wenn die Zinsen um 50 Basispunkte steigen. "Dann wäre die Zinssteigerungsfantasie für den Euro völlig aus dem Markt, was im Prinzip gut für Aktien wirkt. Doch gleichzeitig könnte das dem Dollar starken Auftrieb geben, der Euro könnte fallen, womit die EZB dann wieder ein Inflationsproblem bekäme. Damit stünde sie dann wieder unter Druck, was die Aktienmärkte belasten würde." Prinzipiell erwarten die Analysten also keine positiven Nachrichten von den Zentralbanken. Auch in den USA sei die Zinsfurcht abgeflaut. "Damit wird sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa bis Jahresende weiter einengen, was den Euro stärken wird", meint DG-Bank-Analyst Bungeroth. Abgesehen davon sei der Euro ohnehin fundamental unterbewertet, "wir rechnen also mit seiner Erholung, ganz gleich, was die Zentralbanken tun".Mit dem Abflauen der Inflationsängste stellen sich die Aussichten für die Aktienmärkte wieder besser dar. "Der US-Markt beispielsweise reagiert normalerweise immer mit steigenden Kursen auf abnehmende Zinserhöhungserwartungen", so die Analysten von M.M. Warburg. Davon sollte der Dax profitieren.Markt nicht mehr überbewertetZudem seien die Unternehmensgewinn-Erwartungen im August weiter nach oben revidiert worden: Für 2001 rechne der Markt dank guter Konjunktur und der Steuerreform nun mit einem Gewinnplus von 20 Prozent im Jahresvergleich. Somit sei der Aktienmarkt nicht mehr überbewertet. Für eine durchgreifende Erholung fehle noch die Erholung bei den Telekomwerten. "Auf die T-Aktie sehen wir aber keine neuen Belastungen zukommen", meint Commerzbank-Stratege Patrick Schmidtke. Er erwartet den Dax zum Jahresende bei 8 100 Punkten, Bungeroth rechnet mit 8 000 und Jörss mit 7 800 Punkten. Favoriten der Analysten sind derzeit vor allem die Technologie- und Software-Aktien. Konsum-Titel dürften noch von der Steuerreform profitieren. Negativ ist man vor allem bei Aktien aus der Baubranche, auch Bank-Titel seien bereits sehr gut gelaufen.Keine Angst vor der EZB-Entscheidung // Die Erhöhung der EZB-Zinsen ist in den Aktienkursen bereits eingepreist. Mit dem Zinsschritt würde die Angst vor weiteren Zinsanhebungen abflauen, die die Börse lange belastet hat.Die Zentralbank im Internet: www. ecb. de QUELLE: SOCIÉTÉ GÉNÉRALE Wenn die Inflation steigt, steigen auch die Zinsen. Das ist schlecht für Aktien.