Nürnberg. mj Wo in den Tagen vor dem Länderspiel gegen Nordirland der ehemalige Nürnberger Torwart Andreas Köpke auch auftauchte, immer warteten Fernsehkameras und Mikrofone. Nach seiner heftigen Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen dessen Rolle bei seinem im Sommer geplatzten Wechsels zum FC Barcelona war der Fall Köpke ("Es war ein linkes Ding") zu einem Medienereignis geworden. Am Ende beschränkte er sich nur noch auf die stereotype Antwort: "Für mich ist die Sache erledigt, kein Kommentar!"Indessen schlugen die Kritisierten heftig zurück. "Ich weise mit Nachdruck die Behauptung zurück, Köpke in irgendeiner Form gelinkt zu haben", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des VfB Stuttgart und Vizepräsident des DFB. Bei der Europameisterschaft in England hatte es den Anschein gehabt, als würde Köpke vom Absteiger Eintracht Frankfurt zum VfB Stuttgart wechseln. Sogar ein eilig einberufener Fototermin in einer alten Mühle nahe Manchester mit Köpke im VfB-Dress, an der Seite des umtriebigen Politikers und Fußballpräsidenten Mayer-Vorfelder, kündete schon von den neuen Verhältnissen bei den Schwaben.Doch laut Köpke hielt Stuttgart Zusagen nicht ein; er unterschrieb beim FC Barcelona. Der wiederum machte überraschend einen Rückzieher - laut Köpke, weil vom DFB Faxe geschrieben worden seien, in denen den Katalanen falsche Tatsachen zu dem geplanten Wechsel vorgespiegelt wurden. DFB-Direktor Wilfried Straub, von Köpke nicht namentlich genannt, aber gemeint: "Der DFB linkt niemanden. Er macht, was nötig ist, ohne Ansehen der Person. Was Herr Köpke behauptet, ist nie geschrieben worden."Besonders empört hat Köpke die Tatsache, daß er nach dem Bosman-Urteil eigentlich ablösefrei hätte wechseln dürfen, Marseille aber aufgrund bundesligainterner Regelungen 600 000 Mark an Stuttgart überweisen mußte. Stuttgart hatte diese Summe schon an Eintracht Frankfurt gezahlt. Marseille, das für den Zweijahresvertrag mit Köpke glücklicherweise einen Etat zur Verfügung hatte, kürzte das Gehalt des Torhüters."Unglücklich" nannte Bundestrainer Berti Vogts vorsichtig die Formulierungen, die Köpke gewählt hatte, unterstrich aber, daß der Europameister weiterhin seine Nummer eins sei. Oder sein Torhüter 1a. Oliver Kahn nimmt die Position 1b ein. DFB-Präsident Egidius Braun zu den Äußerungen des Torhüters: "Das ist eine üble Beleidigung." Köpke hatte sich bei Braun bereits persönlich entschuldigt. Sein Rückzug auf Raten hat längst begonnen. +++