Im Frühjahr 2003 beginnt die Neugestaltung der Straße Unter den Linden. Das Großprojekt soll zwischen der Humboldt-Universität und der Schlossbrücke starten. Die Parkplätze auf dem Mittelstreifen verschwinden, einer der breitesten Gehwege Berlins entsteht. "Vom Eingang der Neuen Wache bis zum Bordstein werden es dann rund 25 Meter sein", sagt Claudia Reich-Schilcher, Planerin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Berliner Zeitung. Die Umbaupläne liegen schon seit zehn Jahren bereit. Forum Fridericianum heißt das Teilstück der "Linden", das der Senat für 2,7 Millionen Euro umgestalten will. Es hat seinen Namen von Christian Daniel Rauchs Bronzedenkmal, das den preußischen König Friedrich II. darstellt. Lindenbäume gibt es hier nicht - dafür überbreite Fahrbahnen, die meist nur im Laufschritt überquert werden können, und einen Parkplatz in der Mitte."Wir wollen dieser Straße etwas von ihrer Macht nehmen", kündigt Reich-Schilcher an. Die Fahrbahn westlich der Schlossbrücke weitet sich künftig nicht mehr wie ein Flaschenhals, sondern setzt sich geradlinig fort. "Dem fließenden Verkehr nehmen wir nichts weg. Auch weiterhin wird es in jede Richtung zwei Fahrstreifen und eine Busspur geben", sagt die Planerin. Eine Tiefgarage und neue Lampen Der Mittelstreifen, auf dem heute noch geparkt werden kann, wird dagegen schmaler. Er soll in Zukunft nur drei Meter breit und kein Parkplatz mehr sein. Für die Autostellplätze wird bis Ende 2004 neben der Staatsoper Ersatz geschaffen. Unter dem Bebelplatz legt die Augsburger Firma Wöhr und Bauer eine Tiefgarage für 458 Autos an. Die Umgestaltung schafft Platz für die vielen Menschen, die Unter den Linden zu Fuß unterwegs sind. So wird der Gehweg auf der Nordseite von acht Meter auf 20 bis 25 Meter Breite anwachsen. In jeden Bürgersteig werden Bahnen aus schlesischem Granit eingelassen, die von dunklem Basaltmosaik umrahmt werden. Dieses Schmuckelement gibt es schon am Pariser Platz.Die Beleuchtung wird ebenfalls verändert. Die Peitschenmasten aus DDR-Zeiten kommen auf den Schrott. Wie die neuen Lampen aussehen, ist noch nicht klar - vielleicht wie die schlichten Masten, die auf der Leipziger Straße vor dem Bundesrat stehen. Auch zu der Frage, ob die Fußgängerampel vor der Humboldt-Uni bleibt, gibt es bislang keine Entscheidung. Eines ist dagegen sicher: "Die Lichtmasten werden nicht mehr in Reihen stehen, sondern sich der Bebauung anpassen. Geht sie zurück, rücken auch die Leuchten von der Bordsteinkante ab", so die Planerin. "Die Straße Unter den Linden ist die einzige weltstädtische Flaniermeile, die wir in Berlin haben", sagt Jean van Daalen, der Direktor des Hotels Adlon. Doch Fachleute sind sich einig, dass das Straßenbild aufpoliert werden muss. Schon seit 1992 gibt es die Pläne zum Umbau des Boulevards. Aber sie mussten immer wieder auf Eis gelegt werden - zum Beispiel deshalb, weil der Senat den Bau der U-Bahn-Linie 5 zum Lehrter Bahnhof, die unter der Straße verlaufen soll, öfter umprojektierte. "Zum Glück konnten wir das Geld, das zum Teil vom Bund stammt, bis heute retten", sagt Claudia Reich-Schilcher. Nun habe Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) das Signal gegeben, dass der Umbau beginnen kann. Die Neugestaltung des Forum Fridericianum soll bis 2004, spätestens bis 2005 dauern. Danach gehen Bauarbeiter dort, wo die Straße von Bäumen eingefasst wird, ans Werk - nur nicht zwischen Glinka- und Charlottenstraße. Schuld ist erneut die U 5, deren Bau der Senat zwar gestoppt, aber nicht für immer aufgegeben hat. "An der Ecke Friedrichstraße müsste für die U-Bahn eine Grube entstehen. So lange dieser Plan besteht, können wir dort nichts neu gestalten", sagte Reich-Schilcher.Linden werden abgesägt und ersetzt Wie die übrigen Abschnitte der Allee umgebaut werden, ist heute schon an der Kreuzung mit der Wilhelmstraße zu sehen. Beide Gehwege werden um 2,85 Meter verbreitert - ohne dass Autofahrer Grund zur Klage hätten. "Die einzelnen Fahrbahnen werden schmaler. Doch auch in Zukunft wird es pro Richtung zwei Fahrstreifen, eine Busspur und einen Parkstreifen geben", hieß es.Bei dem Umbau werden die Linden auf den Gehwegen ausgetauscht. Viele Bäume sind durch Gas, Streusalz und Hunde-Urin geschädigt - "früh vergreist", wie Reich-Schilcher sagt. Sie werden abgesägt und durch neue Lindenbäume ersetzt, die beste Startbedingungen erhalten sollen. "Lange halten die Linden nicht mehr durch", sagt Hartmut Balder vom Pflanzenschutzamt. "Das wichtigste Werkzeug des Gärtners ist deshalb die Motorsäge."Die Linden // 355 Jahre alt: Die Straße Unter den Linden gilt als eine der ältesten Alleen Deutschlands. 1647ordnete Kurfürst Friedrich Wilhelm an, dass vor den Toren Berlins Nuss- und Lindenbäume gepflanzt werden. Er wollte seiner Residenz ein herrschaftlicheres Gepräge geben. Westlich der Hundebrücke (heute ist dort die Schlossbrücke) entstanden sechs Baumreihen.Schweine und Hunde: Von Anfang an war die Allee Belastungen ausgesetzt. Zunächst waren es die Hausschweine der Berliner, die dort auf Nahrungssuche gingen und dabei die Baumrinden anknabberten. Später setzte der beim Hausbau verwandte Kalk den Linden zu. Im 20. Jahrhundert schädigten Gas, Streusalz und Hunde-Urin die Bäume.Linden-Sammelsurium: Ein halbes Dutzend Mal musste die Allee schon neu aufgeforstet werden. Von den amerikanischen Silberlinden, die 1936 gepflanzt wurden, haben vier bis heute überlebt. Der Rest der rund 380 Linden stammt aus den fünfziger und sechziger Jahren. Es gibt mehrere Lindenarten dort.Durchgangsstraße: Seit dem Mauerfall sind die "Linden" wieder eine wichtige Ost-West-Verbindung. Laut Senat sind dort pro Tag 42 500 Kraftfahrzeuge und bis zu 7 250 Fahrräder unterwegs.U-Bahn-Linie 5: Der frühere Senat wollte die U 5 über den Alexanderplatz hinaus zum Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof verlängern. Die Strecke soll unter der Straße Unter den Linden verlaufen - mit Stationen vor dem Deutschen Historischen Museum, an der Ecke Friedrichstraße und an der Ecke Wilhelmstraße. Doch Berlin fehlt das Geld. 2001 beschloss der Senat: Westlich des Roten Rathauses wird die U 5 erst 2010 fertig. Danach stoppte er den Bau der Strecke.BERLINER ZEITUNG/ANJA KÜHL Die Planung für den östlichen Abschnitt: Parkplätze auf dem Mittelstreifen verschwinden, Gehwege werden breiter.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Unter den Linden - rechts die Staatsoper, links die Humboldt-Universität. Die Parkplätze in der Mitte fallen weg.

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