BANGKOK. Dicht gedrängt brachen gestern weit mehr als 100 000 oppositionelle Rote Hemden in der gleißenden Mittagssonne der thailändischen Hauptstadt Bangkok in begeisterten Jubel aus, als einem Sprecher vor lauter Begeisterung über die Massen die Rhetorik entgleiste. "Das ist ein Volkskrieg", polterte Natawut Saikua, einer der Führer der Union gegen Diktatur und für Demokratie (UDD) auf dem Podium, "wir fordern richtige Demokratie."Wochenlang hatte die Organisation, deren Anhänger vorwiegend aus dem verarmten Norden Thailands stammen und eine Rückkehr des 2006 gestürzten Premiers Thaksin Shinawatra fordern, für den Marsch der Millionen getrommelt. Am Ende blieb die Zahl der Demonstranten hinter den Erwartungen zurück. Die Hauptstadt erlebte dennoch die größte Demonstration "der Horden vom Land" in der Geschichte Thailands, wie die Bangkok Post verächtlich notierte."Ich unterstütze die Roten Hemden seit dem Militärputsch vom 19. September 2006", sagte Norong Oosiri, "damals haben sie unsere gewählte Regierung gestohlen." Mit sieben Verwandten war er am Freitag in einem Pickup in Udon Thani 550 Kilometer nördlich von Bangkok aufgebrochen. Tausende von Wagen wälzten sich nach Bangkok. "Sie kämpfen für uns", sagte Weera pon Koolijang, der Flaschen voller Trinkwasser auf die Ladeflächen der Pickups warf. Mindestens eine Woche wollen die Demonstranten, die bis zu 22 Euro erhalten, in Bangkok ausharren. "Nur Neuwahlen können Gerechtigkeit bringen", sagte Vichai Khaokhan, ein Parlamentarier, der die Roten unterstützt.Die Bewohner Bangkoks zitterten vor dem Ansturm. Doch blieb es vorerst ruhig. Thailands Premier Abhisit Vejjajiva hatte sich in einer Kaserne verschanzt und rund 50 000 Polizisten mobilisiert. Er will bis zu regulären Neuwahlen Ende 2011 regieren. Die Demonstranten aber forderten ultimativ: Sollten bis Montag keine vorgezogene Neuwahlen ausgerufen werden, wollten sie Behörden stürmen.Der frühere Premier Thaksin Shinawatra, ein Milliardär, ist vielen Anhängern wegen seiner populistischen Wirtschaftspolitik in guter Erinnerung. Er lebt im Ausland, um in der Heimat einer Haftstrafe wegen Korruption zu entgehen. Laut Thailands Regierung musste er zuletzt seinen bisherigen Zufluchtsort Dubai verlassen, Gerüchten zufolge wollte er sich mit seinen Kindern in Deutschland treffen. Er war bis Mai 2009 in Bonn angemeldet. "Gegen Thaksin besteht ein striktes Einreiseverbot", sagte indes Berlins Botschafter Hanns Heinrich Schumacher dieser Zeitung. Thaksin, der die Thailänder zur Unterstützung der Proteste aufruft, flog stattdessen angeblich in die Schweiz.------------------------------Foto: Bangkok trägt Rot: Thaksin Shinawatras Anhänger demonstrieren.