Extremisten in Afghanistan versuchen bis zur letzten Minute, die Präsidentenwahl an diesem Sonnabend durch Terroranschläge zu sabotieren. Am Freitag ist im Osten des Landes die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus getötet worden. Die 48-jährige Pulitzer-Preisträgerin wurde nach Augenzeugenberichten von einem afghanischen Polizisten erschossen. Bei dem Angriff wurde ihre kanadische Kollegin Kathy Gannon durch Schüsse schwer verletzt. Beide Frauen arbeiteten für die US-Nachrichtenagentur AP.

„Als sie in ihrem Auto saßen und auf die Abfahrt des Konvois warteten, kam ein Kommandeur namens Nakibullah zu ihrem Wagen, rief ,Allahu Akbar‘ (Gott ist Groß) und eröffnete das Feuer auf sie auf dem Rücksitz“, beschrieb AP den Tathergang. Der Mann habe sich anschließend gestellt und sei festgenommen worden.

Die Journalistinnen waren in der östlichen Provinz Chost unterwegs, um von dort über die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl am Sonnabend zu berichten. In den vergangenen Wochen haben die radikal-islamischen Taliban ihre Angriffe im Land verstärkt. Sie drohten damit, die Wahl eines Nachfolgers für Staatschef Hamid Karsai zu boykottieren und gewaltsam zu stören. Für den Anschlag auf die Reporterinnen wiesen die Taliban aber die Verantwortung von sich.

Die Bundesregierung reagierte bestürzt. Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb: „Die Nachricht vom Tod der wunderbaren Fotografin Anja Niedringhaus ist erschütternd.“ Das Auswärtige Amt verurteilte „den feigen Anschlag in aller Schärfe“. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Getötete: Ohne Journalisten wie sie, „ohne ihre Arbeit, ihren Mut und ihr Engagement“, wäre „unser Bild von der Welt unvollständig“, sagte er. Afghanistans scheidender Präsident Karsai ordnete eine Untersuchung der Attacke an.

Die Wahl ist eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des Landes, das Ende des Jahres voraussichtlich keine ausländischen Kampftruppen mehr auf seinem Boden haben wird. Die Behörden wollen Gewalt und Manipulationsversuchen trotzen. „Es macht große Mühe, gegen den Widerstand der Taliban eine gute Wahl abzuhalten, aber wir geben unser Bestes“, sagte der Chef der Wahlbeschwerdekommission, Abdul Sattar Sadat. Doch niemand weiß, wie viele Afghanen am Wahltag aus Furcht daheimbleiben werden.

Auf dem Stimmzettel stehen elf Kandidaten. Das Rennen um die Präsidentschaft konzentriert sich aber auf drei Männer: Abdullah Abdullah, einst Führer der gegen die Sowjetunion kämpfenden Nordallianz und später Außenminister unter Karsai, den früheren Weltbank-Ökonomen Aschraf Ghani und den ehemaligen Außenminister Salmai Rassul. (mit AFP, epd)