Frankreich kennt Terror durch Islamisten seit zwanzig Jahren. In den spektakulärsten Fällen glichen sich die Tatmuster und die Täter-Biografien frappierend: junge Männer mit Migrationsgeschichte, in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, radikalisiert durch Konflikte in der arabischen Welt.

Der Anfang war der 25. Juli 1995. Damals explodierte in der Station Saint-Michel ein Sprengsatz. Acht Menschen starben, über 100 wurden verletzt. Es folgten Anschläge in Zügen und Bahnhöfen, auf belebten Straßen und Auto-Sprengsätze im Großraum Paris. Ein vereitelter Anschlag in einem Hochgeschwindigkeitszug führte zu einem ersten Täter. Nach wochenlanger Fahndung starb der damals 24-jährige Khaled Kelkal in einer Schießerei mit der Polizei nahe Lyon. Zwei weitere Täter wurden im November 1995 in Frankreich gefasst, zwei im Ausland.

Alle gehörten sie einer Organisation namens Islamische Bewaffnete Gruppe an, die im Kontext des damals in Algerien tobenden Bürgerkriegs zwischen Militär und religiösen Fundamentalisten entstanden war. Alle stammten sie aus Algerien, drei lebten in Frankreich.

Mordserie in Toulouse

Im März 2012 hielt der damals 23-jährige Mohammed Merah Frankreich in Atem. Im Großraum Toulouse tötete er in einer Mordserie sieben Menschen, unter ihnen drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Merah starb durch Polizeikugeln, als eine Spezialeinheit seine Wohnung in Toulouse stürmte. Während der vorausgehenden 32-stündigen Belagerung bezeichnete er sich als Al-Kaida-Anhänger und Gotteskrieger. Merahs Familie stammte aus Algerien, sein Vater war dorthin zurückgekehrt. Während eines Gefängnisaufenthalts wegen kleiner Delikte wurde Merah zum radikalen Islamisten.

Die Tat Merahs motivierte nach eigener Aussage Mehdi Nemmouche. Der heute 29-Jährige wird beschuldigt, im Mai 2014 im Jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen erschossen zu haben. Auch seine Familie stammt aus Algerien, auch Nemmouche radikalisierte sich im Gefängnis. In Syrien soll er 2013 und 2014 für die Terrorgruppe Islamischer Staat gekämpft haben. Der Täter von Brüssel schoss mit der Kriegswaffe Kalaschnikow – wie nun auch die Mörder der Charlie-Hebdo-Journalisten in Paris.