Peking - Nun hat auch die Pekinger Polizei das Wort in den Mund genommen. Einen Begriff, der gleich nach dem mysteriösen Unfall am Montag zwischen dem Platz des Himmlischen Friedens und der Verbotenen Stadt im Internet und in unabhängiggen Medien die Runde gemacht hatte: „Terroranschlag“. „Es war eine sorgsam vorbereitete, organisierte, vorsätzliche, gewalttätige Attacke“, teilten die Ermittler am Mittwoch mit. Bis zuletzt hatte die chinesische Regierung versucht, die Tat als Unfall zu vertuschen.

Fünf Menschen – der Fahrer, zwei Passagiere und zwei Touristen – waren getötet worden, als ein weißer Geländewagen zur Mittagszeit die Absperrungen vor dem Kaiserpalast durchbrach, in die Menschenmenge raste, an einer antiken Brücke abprallte und Feuer fing. 38 weitere Menschen, unter ihnen Touristen und Polizisten, wurden verletzt.

Macheten in der Unterkunft

Zehn Stunden nach dem Unfall hatten Polizisten bereits die ersten Verdächtigen festgenommen. Es soll sich dabei um fünf Uiguren handeln, eine muslimische Minderheit aus der westchinesischen Provinz Xinjiang, seit Jahrhunderten eine Region voller Konflikte. Die Verdächtigen hätten in ihren Unterkünften Macheten und Fahnen mit dem Aufruf zum Heiligen Krieg versteckt und gestanden, den Fahrer und die zwei Frauen im Auto gekannt und mit ihnen den Anschlag geplant zu haben, teilte die Polizei nun mit. Im ausgebrannten Jeep hätten die Ermittler Benzin, Kupfer, Eisenstäbe und eine Flagge mit extremem, religiösem Inhalt gefunden, hieß es in der Mitteilung der Pekinger Staatssicherheitsbehörde.

Usmen H., ein Uigure, so schrieben die Behörden, habe den Wagen in die Menschenmenge gelenkt, dort, wo sich stets Hunderte von Touristen aufhalten, um in den Kaiserpalast zu kommen. Seine Frau und seine Mutter hätten sich ebenfalls im Auto befunden.

Über die Motive der mutmaßlichen Attentäter sagte die Polizei weiterhin nichts. Seit Jahren kommt es in Xinjiang zu Zusammenstößen zwischen Uiguren, den angesiedelten Han-Chinesen und den Sicherheitskräften. Um die stets wiederholte Stabilität zu wahren, schickt Chinas Zentralregierung Truppeneinheiten in den Westen, sperrt zuweilen ganze Landstriche ab. Auch deshalb ist der Zugang nach Xinjiang und zu den Menschen in der Provinz schwierig. Nach dem nun bestätigten Terroranschlag mitten in Peking dürfte die Situation sich weiter zuspitzen.