Diepgen berichtet von Spendenannahme" so lautete eine Schagzeile im Januar 1986. Die Auswirkungen der Geschichte sind in der Berliner CDU bis heute spürbar. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) teilte damals"aus Gründen der politischen Hygiene" mit, "mindestens 50 000 Mark" als Spende von dem wegen des Verdachts der Bestechung verhafteten Baulöwen Kurt Franke erhalten zu haben. Franke war neben dem Charlottenburger Baustadtrat Wolfgang Antes (CDU) eine der zentralen Figuren im größten bislang bekannt gewordenen Bestechungsskandal der Berliner Nachkriegsgeschichte. Antes gestand, 300 000 Mark an Bestechungsgeldern kassiert zu haben. Dafür soll er Baugenehmigungen und Grundstücke vergeben haben. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Mit Mühe überstand der Diepgen-Senat die Affäre, in der es auch um versuchten Mord, Prostitution und Erpressung ging. Am Ende gab es Haftstrafen für mehrere Beteiligte. Bis 1988 ermittelte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, und bis zur Wahl im Jahr darauf hatte die Union das Vertrauen der Berliner Wähler nicht wiedergewinnen können. Sie verlor die Macht. Die CDU und die UnterweltInsgesamt hatte Diepgen Anfang der 80-er Jahre 75 000 Mark von Franke erhalten und das Geld an den Landesverband der Union weitergeleitet. Entgegen dem geltenden Parteiengesetz wurden die Spenden jedoch nicht im Rechenschaftsbericht der Partei veröffentlicht. Die Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb damals über die "erstaunlichen Verbindungen zwischen der CDU und der Unterwelt". Denn in die Affäre verwickelt waren auch der Bordellbesitzer Otto Schwanz, Mitglied der CDU Wilmersdorf, und der später wegen versuchten Mordes verhaftete Bauunternehmer Christoph Schmidt-Salzmann . Schmidt-Salzmann war ebenfalls CDU-Mitglied und erinnerte Antes in einem Brief an die versprochene Gegenleistung für Spenden in Höhe von 200 000 Mark. Dabei ließ er durchblicken, dass er gegebenenfalls auch über "andere Methoden" zur Durchsetzung seines Willens verfüge.Den Schock über ihre Verstrickung in den "Berliner Sumpf" hat die Berliner CDU bis heute nicht richtig verwunden. Aus Unionskreisen verlautet, dass die Berliner CDU auch deshalb aus dem aktuellen Spendenskandal eingermaßen unbeschadet hervorgehen könnte. Denn 1986 hat sie mit dem "Kewenig-Papier"ihre Spendenpraxis besonders streng geregelt. Wilhelm Kewenig löste bei der duch die Antes-Affäre erzwungenen Senatsumbildung 1986 Innensenator Heinrich Lummer ab und arbeitete bis Mai 1986 die bis heute gültigen "Verhaltensregeln" der Berliner CDU aus. Sie schreiben vor, dass niemand Spenden entgegen nehmen darf, der ein öffentliches Amt bekleidet. Amtsträger und Verwaltungsleiter dürfen nicht als Schatzmeister von Parteien tätig sein. Spenden ab 5 000 Mark sind einem zentralen Konto des Landesverbandes zuzuführen, alle Spenden müssen quittiert werden. Namen und Adressen der Spender müssen anders als im jetzt bekannt gewordenen "System Kohl" aus der Spendenbescheinigung hervorgehen. Anonyme Spenden sind prinzipiell unzulässig. Jedes Jahr muss die Kassenführung der Kreisverbände und des Landesverbandes durch unabhängige Wirtschaftsprüfer kontrolliert werden.