Washington - Die USA sind grundsätzlich zu Angriffen im Irak bereit, wollen aber zunächst versuchen, den Vormarsch der Isis-Dschihadisten mit bis zu 300 Militärberatern zu stoppen. Das kündigte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington an. Die Elitesoldaten sollten die irakische Armee im Kampf gegen die sunnitische Terror-Organisation anleiten und unterstützen, selber aber nicht in den Kampf eingreifen, sagte Obama.

Einen Einsatz von eigenen Bodentruppen hatte der US-Präsident bereits vor einigen Tagen kategorisch ausgeschlossen. Auch am Donnerstag wiederholte er: „Amerikanische Truppen werden nicht erneut im Irak kämpfen.“ Die Option, mit Luftangriffen auf Isis-Stellungen zu reagieren, behielt sich Obama aber vor.

Nach Einschätzung von Experten beschreitet der US-Präsident mit der Entsendung von Militärberatern einen gefährlichen Weg. Die US-Elitesoldaten sollen zwar zunächst nur in gemeinsamen Einsatzstäben mit Irakern eingesetzt werden und Informationen über die Isis sammeln. Sollten sie aber dennoch in Kämpfe verwickelt werden, würde in den USA sehr schnell eine Debatte darüber ausbrechen, ob der Präsident sein jetzt gegebenes Versprechen gebrochen hat.

Mit der Entsendung von US-Militärberatern begann übrigens Anfang der 60er-Jahre auch der Vietnam-Konflikt, der die USA in einen jahrelangen Krieg verwickelte. Der von Obamas Vorgänger George W. Bush begonnene Irak-Einsatz galt für die USA als beendet, seit Ende 2011 die letzten US-Kampftruppen das Land verließen. Damals konnten sich die US-Regierung und die irakische Führung nicht auf ein Abkommen einigen, einige Tausend US-Soldaten im Land zu belassen.

US-Bevölkerung skeptisch

Obama äußerte sich erstmals ausführlich zu der Eskalation der Gewalt im Irak. Die sunnitisch geprägte Terrorgruppe Isis hatte zuletzt große Gebiete im Norden und Westens des Iraks überrannt und bedroht die Hauptstadt Bagdad. Der US-Präsident erklärte, nur die Iraker selbst könnten das Problem lösen. Erneut forderte Obama den irakischen Ministerpräsident Nuri al-Maliki auf, einen Versöhnungsprozess im Irak zu beginnen. Alle Bevölkerungs- und Religionsgruppen müssten daran beteiligt werden.

Maliki gehört der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Irak an und hat nach US-Ansicht in den vergangenen Jahren wenig dazu getan, Sunniten und Kurden einzubinden. Die USA, so Obama, hätten gar nicht die Fähigkeit dazu, wieder Zehntausende von Soldaten zu entsenden. Abgesehen davon steht nach Umfragen der Großteil der US-Bevölkerung einem erneuten Kriegseinsatz sehr skeptisch gegenüber.

Die Entsendung der Militärberater wurde in Washington als der Versuch Obamas gewertet, Zeit zu gewinnen. Top-Militärs hatten zuvor vor übereilten Luftschlägen gegen die Isis gewarnt. Die Terroristen seien dezentral organisiert. Es bestehe die akute Gefahr, dass Bomben auch unbeteiligte Zivilisten treffen würden, die Isis-Terroristen aber nicht entscheidend schwächen könnten. Sollte sich die Lage auf dem Boden verändern, seien aber „gezielte und präzise“ Militäraktionen der USA weiter möglich, sagte Obama. Außenminister John Kerry werde noch diese Woche aufbrechen, um die diplomatischen Bemühungen voranzutreiben.