LEIPZIG, 20. Juli. Sie hat ihren Sport geliebt - aber sie wollte nicht alles mitmachen, was man von ihr verlangte. Mit diesem Satz lässt sich die Sportlerkarriere von Antje Harvey-Misersky wohl am besten umschreiben. Antje Harvey-Misersky erhält am Donnerstag in Berlin die Heidi-Krieger-Medaille, die europaweit einzige Auszeichnung für engagiertes Wirken gegen Drogenmissbrauch im Spitzensport.1985 verweigerte die Skilangläuferin die Einnahme der so genannten "blauen Pillen", des probaten DDR-Dopingmittels Oral-Turinabol. Die damals 17-jährige Athletin vom SC Motor Zella-Mehlis, Weltmeisterschaftsdritte mit der Staffel, flog deshalb von der Kinder- und Jugendsportschule und aus dem Leistungssport. Auch Vater Henner Misersky lehnte als Nachwuchstrainer die Weitergabe von Anabolika an seine Schützlinge ab und wurde vom Skiverband fristlos gekündigt.Erst nach 1990 startete Antje Misersky ihr Comeback. Als Biathletin gewann sie 1992 in bei den Winterspielen in Albertville über fünfzehn Kilometer Olympiagold. "Der Sieg gehört meinem Vater", sagte Misersky. Sie kritisierte vergeblich die umstandslose Resozialisierung belasteter Trainer und Ärzte im gesamtdeutschen Sport. Seit 1995 lebt sie im US-Bundesstatt Utah.Die Heidi-Krieger-Medaille, benannt nach der Kugelstoß-Europameisterin von 1988, Heidi Krieger, die als Jugendliche gedopt wurde und sich später einer Geschlechtsumwandlung unterzog, wird am Donnerstag zum vierten Mal verliehen. Bisherige Preisträger sind der Mediziner Christian Straßburger, der die Auszeichnung für den Nachweis des Wachstumshormons HGH erhielt; die Buchautorin Brigitte Berendonk ("Doping - Von der Forschung zum Betrug"); sowie der Sporthistoriker Giselher Spitzer für seine Verdienste um die Aufarbeitung des DDR-Sportsystems. Verliehen wird die Auszeichnung vom Verein Doping-Opfer-Hilfe (Weinheim), einem Zusammenschluss ehemaliger Athleten, Mediziner und Anwälte, der sich dem Antidopingkampf und der Beratung Geschädigter verschrieben hat. Antje Harvey-Misersksy habe bewiesen, heißt es zur Begründung, "dass man Doping widerstehen und trotzdem Weltspitze erreichen kann".