"Der Kopf des Weibes ist bloß das Polster, auf dem ein Kopf ausruht", das schrieb einmal Karl Kraus. Die Künstlerin Antoinette will, so scheint's, das Gegenteil beweisen. Nämlich: Das Weib ist sich selbst Thema genug. Als Seelenspiegel und Weltanschaungsmetapher.Bei der Berliner Malerin Antoinette steht die Frau nackt und groß, mit wirrem Haar zwischen sitzenden Pavianen. Das Bild heißt "Der Wind". In einem anderen Gemälde wird die Frauengestalt von Mann und Fisch umworben, Titel: "Rotwandern". Und in einer nächsten Arbeit ist die Frau im Schlaf gefangen zwischen Traum und Alptraum, "Schlafstörung", heißt das Bild. Ein weiteres zeigt das Weib als milchspendende Mutter Erde. Sie hat letztlich den Dämon Alltag im Griff, umgeben von Flügelträgern und Aasgeiern.Die Frau ist also fast immer im Aufschrei, in expressiver Seelenqual begriffen: Leben als Kampf mit dem Mythos Leben, mehr als Sphinx, denn als Medusa oder Sirene. Jedes Bild ist ein Rätsel, wird beherrscht von Blau oder Rot oder Neongrün. Groß und raumfüllend.Antoinette (40), Meisterschülerin Bernhard Heisigs, studierte in Leipzig und Berlin Malerei und Grafik. Sie entwarf Bühnenbilder, experimentierte mit Installationen und Perfomances und malt sich seit Jahren den "Dämon Alltag" vom Leib. Mit sichtbarem Erfolg. Ergebnis ihrer Experimentierlust sind 1995 ein riesiges Wandbild zur sorbischen Mythologie und 16 Lithographien zu Texten aus dem Hohelied Salomons des Alten Testaments: "Das Buch der Heiligen Frauen". Als poetische Augenblicke nun in der Galerie Deschler zu sehen, zeigt sich in diesen Lithographien die konzentrierte Grafikerin Antoinette.Die Endgültigkeit der Steindrucke zwingt zur Beschränkung, zu mehr Leichtigkeit, zu mehr Dichte. Als Malerin unterliegt Antoinette dagegen mitunter noch immer der Versuchung, die Botschaft: "Es naht die Apokalypse" auf die Leinwand zu zwingen. Aber: "Kunst ist das, was Welt wird, nicht was Welt ist", das sagte ebenfalls Karl Kraus.Marina Farschid Galerie Deschler, Auguststr. 63, Mitte, bis 23. 3., Di-Fr 14 bis 19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. +++