Antrag der Verteidigung im Lübecker Mordprozeß: Diesners Anwalt will Hasselbach als Zeugen hören

LÜBECK, 31. Oktober. Die Verteidigung im Lübecker Mordprozeß gegen Kay Diesner hat am Freitag beantragt, den Neonazi-Aussteiger Ingo Hasselbach als Zeugen zu hören. Er habe Diesner ideologisch geschult und an Waffen ausgebildet. Bisher hatte Diesner immer behauptet, er kenne Hasselbach nicht. Im Prozeß um das Attentat im Februar dieses Jahres auf einen Buchhändler in Berlin-Marzahn und die Tötung eines Polizisten wurde am Freitag der beste Freund Diesners durch Anwalt Ulrich Dost befragt, der den schwerverletzten Buchhändler Klaus Baltruschat vertritt. Der Fleischer Andreas T. (23) bestritt, der Verbindungsmann Diesners zu rechten Organisationen gewesen zu sein. Verbindungen zu Neonazi-Gruppen hätte Diesner "definitiv nicht gehabt". Beide wurden allerdings festgenommen und später verurteilt, als sich beim Berliner Alt-Nazi Arnulf Priem ein "bewaffneter Haufen" versammelt hatte. Unter den Augen der Lübecker Kripo durfte Andreas T. seinem Freund Diesner in der U-Haftanstalt auch die "Hilfsgemeinschaft Nationaler Gefangener" empfehlen. Mit einem Beweisantrag seines Verteidigers Thomas Schüller leitete Diesner dann eine Wende in seiner Verteidigungsstrategie ein. Hatte er sich bislang als "Autonomer" bezeichnet, der RAF und IRA als Vorbilder nannte, so soll nun die Zeugenvernehmung Ingo Hasselbachs ergeben, daß er wegen neonazistischer Indoktrination unzurechnungsfähig war. Hasselbach, der 1993 aus der Neonazi-Szene ausgestiegen war, hatte gegenüber Berliner Ermittlern ausgesagt, daß er Diesner ausgebildet habe. Die Ermittler hielten seine Aussage aber nur für den Versuch, sich wieder ins Gespräch zu bringen. (aj)