Antrittsrede in Thüringen: Bodo Ramelow bittet SED-Opfer um Verzeihung

Erfurt - Ein Bodo Ramelow „sehr wichtiger, väterlicher Freund“ saß am Freitag auf der Tribüne im Erfurter Landtag. In der Antrittsrede als Ministerpräsident sprach Ramelow persönlich Andreas Möller an, der im Stasi-Knast in Potsdam gesessen habe. Möller habe ihn mitgenommen an den Ort, an dem er im Blut gelegen hat. „Lieber Andreas Möller: Dir und allen deinen Kameraden kann ich nur die Bitte um Entschuldigung überbringen“, sagte der Linke-Politiker.

Möller sagte anschließend, er finde es „ermutigend, dass jemand so spricht, der Regierungschef wird“. Er denke dabei auch an viele Freunde, „bei denen sich keiner entschuldigt“. Der 70-Jährige ist nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren mit Ramelow befreundet.

Andreas Möller empfindet es als Gewinn, dass mit der Bildung der rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen die Diskussion über DDR-Unrecht wieder angestoßen wurde. „Dass muss weitergehen.“

Möller wurde 1944 in Potsdam geboren und wuchs in Baden-Württemberg auf. 1962 schloss er sich einem Hungerstreik am Mahnmal für den von DDR-Grenzern erschossenen Günter Litfin am Humboldthafen an. 1963 wurde er im Grenzgebiet als Fluchthelfer festgenommen. Anschließend saß er im Stasi-Gefängnis Potsdam und im Gefängnis im sächsischen Waldheim. Die Bundesregierung kauft ihn 1965 frei. Anschließend arbeitete er als Journalist für verschiedenen Zeitungen. Seit 1992 lebt er im thüringischen Arnstadt. (BLZ/dpa)