KREUZBERGÜber eine einstweiiige Verfügung will das Anwaltsbüro Gaßner, Groth & Siederer beim Oberverwaltungsgericht einen Baustopp an der Oberbaumbrucke erreichen. Die Arbeiten sollen ruhen, bis das Verwaltungsgericht die Klage einer Grundstuckscigentumerin aus der Falkensteinstraße entschieden hat.In der Klage der Anwohnerin heißt es, daß der Ausbau der Oberbaumbrücke für den Autoverkehr in dem geplanten Umfang rechtlich nicht haltbar sei, da er ohne Bebauungsplanverfahren und damit ohne Burgerbeteiligung durchgeführt wird. Zudem würde die Lärmschutzverordnung nicht angewendet.EG-Norm überschritten"Bei der zu erwartenden Belastung von täglich 60 000 Fahrzeugen werden die EG-Normen bei weitem überschritten. Anstatt der zulässigen 59 Dezibel werden die Werte auf 80 Dezibel ansteigen", erklärt Anwalt Klaus-Martin Groth. Groth war im von 1989 bis 1990 Staatssekretär In der AL-geführten Umweltverwaltung.~Drei Fahrspuren der Brücke werden ausschließlich von Autos genutzt, eine von der Straßenbahn. Es wird eine Mischfahrbahn für Tram und Autos geben", erklärt Johannes Lietz, Leiter der Abteilung Brückenbau bei der Senatsbauverwaltung die Planung. Die zunehmende Lärm-und Abgasbelästigung hält Lietz dabei für eine unumgängliche Entwicklung im Zusammenwachsen beider Stadtteile: "Die Anwohner sollten nicht in ihr Grenzdenken vor der Mauer verfallen und die Oberbaumbrücke zur Nische ihrer Ruhe machen." Mit der Fertigstellung der Brücke werde der lnnenstadtring geschlossen und damit der Verkehr aus anderen stark belasteten Stadtteilen abgezogen und verkehrsgünstig umgeleitet.Die Oberbaumbrücke, einst die wichtigste Verbindung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, wurde im Krieg ze~tört und nicht wieder aufgebaut, da sie unmittelbar im Grenzgebiet lag. Seit dem Mauerbau hatten die Anwohner hier keinerlei Verkehr mehr, nur Fußgänger und Fahrräder durften passieren. · Ein Bebauungsplanverfahren zurOberbaumbrücke lehnt der Senat ab, · da es sich bei den derzeitigen Bauar· beiten nicht um einen Neubau, sondern um eine Restauration handele: "Ein Rechtsanspruch besteht nur bei echten Straßenbaumaßnahmen", sagt Michael Losch, Jurist bei der Senatsverkehrsverwaitung. "Die Fahrbahnbreite wird im Vergleich zum früheren Zustand nicht verändert, nur geringfügig anders eingeteilt."Neubau oder Reparatur?Dem hält Anwalt Groth entgegen: "Es ist naiv zu sagen, nur weil die äußere Begrenzung der Brücke nicht verändert wird, findet kein Neubau statt. Schließlich kann man die Zeit der Pferdekutschen von 1895 nicht mit der heutigen Zeit vergleichen. Verkehrstechnisch ist die Brücke so gebaut, daß sie einem Neubau entspricht." Hinzu käme, daß viele Straßen für den Ring umgebaut werden müßten und dieser Zufahrtsbereich nicht von der Rekonstruktion getrennt werden dürfte.Über den Bau der Zufahrtswege verhandeln derzeit Senat und Bezirksamt. "Wir haben dem Senat empfohlen, die Rauarbeiten nicht durchzuführen. Es gibt schließlich wichtigere Straßen in Berlin", beschreibt Kreuzbergs Baustadträtin Erika Romberg (ebenfalls AL) die Haltung des Bezirks. Jetzt jedoch wolle der Senat die Sache an sich ziehen.Seit zwei Jahren Proteste Für Ulf Mann, Sprecher der Kreuzberger Brückeninitiative ist das "ein Beispiel gezielter Negation von Bürgerbegehren". Die Initiatiye protestiert seit zwei Jahren mit Unterschrlftensammlungen, Demos und Plakataktionen gegen den geplanten Innenstadtring. An den Aktionen beteiligen sich weitere 40 Gruppen, die aus dem Verein "Behutsame Stadterneuerung" hervor~egangen sind. Für März kündigt Sprecher Johannes Pemkopf eine ganze Veranstaltungsreihe an: "Ende März wird beispielsweise im U-Bahnhof Schlesisches Tor ein Informationsabend zum Planungsstand der Oberbaumbrücke stattfinden. Dabei wird es konkret um die Zufahrtswege in der Oberbaumstraße gehen."Zweifel haben die Kritiker der Planung mittlerweile auch daran, ob tatsächlich die Straßenbahn wie versprochen über die Brücke rollen wird. Denn es gibt bautechnische Probleme.Endpunkt problematisch"An der Warschauer Brücke Ist ein Bruckenneubau mit Haltestellen für Straßenbahn, 5- und U-Bahn vorgesehen", sagt Manfred Bernd, zuständig für die Straßenbahnplanung. "Problematisch wird es allerdings am 1 Endpunkt der Straßenbahnführung am Schlesischen Tor, wo wir bis Wer nur eine unglückliche Lösung gefunden haben", sagt Bernd. Dort müßte eine Straßenbahnschleife durch vier Straßen geführt werden. Da darüber noch keine weiteren Vorstellungen existieren und der Senat nicht über die für den Brückenneubau notwendigen 30 Millionen Mark verfügt, werden, so befürchten nun die Kritiker, vorerst wohl nur Autos über die Oberbaumbrücke rollen. P Die Zeltee, da Pferdefuhrwer*e die Oberbaumbröcke bevBlkertee, sind lange vorbei. Foto: Berliner ZeltongSo soll noch den Vorstellungen der Senansbauverwalnung die künftige Verlcehrsaufteilong auf der Oberbaumbrl2cke oosnahen. Grafik: Senat