Vollbeschäftigung. Das klang lange Zeit ähnlich wie Pferdedroschke, Monokel oder Dampflokomotive. Schön für nostalgische Erinnerungen, aber nicht für heute. Nach fast einem Jahrzehnt Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt ist das nicht mehr so. In vielen Regionen Süddeutschlands ist Vollbeschäftigung längst erreicht. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer ist kein Fantast, wenn er das magische Wort ausspricht. Allerdings besteht kein Anlass, in Euphorie zu verfallen. Seit 2005 ist die Arbeitslosigkeit zwar ungewöhnlich stark zurückgegangen, von über fünf auf unter drei Millionen. Weitere Fortschritte werden aber selbst bei guter Konjunktur schwerer, weil oft die Anforderungen der Arbeitgeber und die Qualifikationen der Arbeitnehmer nicht zusammen passen. Für Arbeitslose ist es zuletzt schwieriger geworden, zurück in das Berufsleben zu finden.

Entlastung wird auf mittlere Sicht die Demografie bringen, weil die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand treten. Das wiegt schwerer als die Zuwanderung und die leicht steigende Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen. Die eigentliche Aufgabe für die Arbeitsmarktpolitik ist jedoch, Langzeitarbeitslosen und jungen Menschen mit keiner oder schlechter Ausbildung eine Perspektive zu geben. Sonst droht ein Arbeitsmarkt, in dem die einen über Fachkräftemangel klagen und die anderen resignieren, weil es für sie ohnehin nichts gibt.