Der Streit um den Bau des NS-Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" scheint zu Ende zu sein: Mehrheitlich hat sich eine 13-köpfige Jury am Dienstagabend dafür entschieden, den Entwurf des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner aus Moabit zu realisieren. Der Entwurf ihrer Architektin Ursula Wilms sieht ein verglastes Gebäude auf dem Gelände direkt gegenüber dem Abgeordnetenhaus vor.Der Geschäftsführende Direktor der Topographie, Andreas Nachama, reagierte sichtlich erleichtert: "Mir fällt ein Stein vom Herzen." Der erste Spatenstich für das neue, einstöckige Haus soll im Herbst 2007 erfolgen. Laut Nachamas Berechnungen kann die Ausstellung über die NS-Geschichte dann zwei Jahre später eröffnen - mehr als zehn Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Wenn nichts schief geht, ist die Eröffnung am 70. Jahrestag des Überfalls von Deutschland auf Polen am 1.September 2009.Nach Angaben von Nachama müssen bis zum ersten Spatenstich zahlreiche technische Dinge erledigt werden: Dazu gehören der Abschluss der Verträge, die Erarbeitung der Bauvorentwürfe und Ausschreibungen. Dies werde sich bis in das nächste Jahr hinziehen. "Vielleicht geht es schneller", sagte Nachama. Eines aber steht für den Historiker fest: Gedrängelt wird nicht. "In der Vergangenheit ist schließlich viel gepfuscht worden. Ich will nicht noch einmal einen Konkurs einer Baufirma erleben", sagte Nachama.Im Einzelnen wollen die Architekten aus Moabit im quadratisch angelegten Haus eine Nutzfläche von rund 3 500 Quadratmetern schaffen. Die Halle umfasst 2 800 Quadratmeter. Im Obergeschoss sollen Ausstellungs- und Seminarräume liegen, im Untergeschoss die Bibliothek. Für den Bau hat die Topographie-Stiftung letztlich 15 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere fünf bis neun Millionen Euro gehen in die Innenausstattung und die Sanierung des Außengeländes. Die gedeckelte Gesamtsumme war übrig geblieben, weil für den umstrittenen, aber nicht realisierten Bau des Architekten Peter Zumthor etwa 15 Millionen Euro von vorgesehenen 40 Millionen Euro ausgegeben worden waren. Das Land Berlin hatte sich im Streit von Zumthor getrennt. Auf Grund von vertraglichen Vereinbarungen erhielt der Schweizer eine Abfindung in vermutlich sechsstelliger Höhe. Die Bauverwaltung macht dazu keine Angaben. Der Bund hat inzwischen die Verantwortung für das Projekt übernommen. Die Kosten tragen je zur Hälfte das Land Berlin und der Bund. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) wertete die Preisvergabe als positives Signal. Neumann setzte auf eine zügige Realisierung. Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei.PDS) zeigte sich ebenfalls "sehr erfreut".Insgesamt waren 309 Entwürfe eingereicht worden, die alle ab März im Gropius-Bau ausgestellt werden. Der zweite Preis ging an die Berliner Architekten Ramsi Kusus und Frank Kiessling.------------------------------Der Streit ums Gelände dauert schon 25 JahreDie Internationale Liga für Menschenrechte fordert 1980, am ehemaligen Sitz von SS, Gestapo und Reichssicherheitshauptamt eine Gedenkstätte einzurichten. Die private Initiative "Aktives Museum" unterstützt den Plan in den 80er-Jahren - auch mit symbolischen Grabungen.Zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 ist in einer provisorischen Halle die Ausstellung "Topographie des Terrors" als befristetes Projekt geplant. Ein Teil der Fundamente wird freigelegt, an der Nordseite werden die heute noch sichtbaren Zellen der Untersuchungshäftlinge ausgegraben.Bei einem Ideenwettbewerb für das Gelände gewinnt 1993 der Schweizer Architekt Peter Zumthor. Sein Entwurf sieht ein schmales, langes Gebäude vor, dessen Dach von Hunderten dünnen Betonsäulen getragen wird.Der Abriss des provisorischen Dokumentationszentrums erfolgt 1995. Der Grundstein für das Zumthor-Gebäude wird am 8. Mai 1995 gelegt.Wegen hoher Kosten will der Senat das Projekt, das ursprünglich 18,4 Millionen Euro kosten soll, aufschieben, scheitert aber am Widerstand des Parlaments.Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses stoppt die Arbeiten im Jahr 2000 - bis zu einer neuen, endgültigen Kostenvorlage. Bis 2004 steigen die Kosten auf 45 Millionen Euro.Reinhard Rürup tritt im März 2004 als Wissenschaftlicher Direktor der Topographie zurück, aus Ärger, dass die Arbeiten nicht vorankommen. Im Mai 2004 trennt sich das Land Berlin von Zumthor. Im Winter 2004 werden die drei schon errichteten Türme des Zumthor-Baus wieder abgerissen.Der neue Wettbewerb beginnt im Juni 2005 und endet am 24. Januar 2006.Neues Modell: Das Gebäude der "Topographie" wird nach dem Entwurf des Architektenbüros Heinle, Wischer und Partner gebaut. Das hat eine 13-köpfige Jury entschieden. Insgesamt gab es 300 Entwürfe. Die Gewinner haben auch schon das Haus für die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz entworfen.------------------------------Karte: Gelände der Topographie des Terrors------------------------------Foto: Das neue Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors": ein eingeschossiges, verglastes Gebäude.