Natürlich hat es auch mit der Filmförderung aus Nordrhein-Westfalen zu tun, dass der israelische Filmemacher Ari Folman Szenen seines Films in der Alten Kokerei in Dortmund dreht. Doch der Golden-Globe-Gewinner ist auch voll des Lobes für die anderen fantastischen Locations, die er vorgefunden hat: "Für unsere Science-Fiction-Welt konnten wir hier alles finden, in diesen geschlossenen halb verfallenen Fabriken." In ein paar Tagen wird die Produktion umziehen nach Berlin, denn auch das Medienboard Berlin-Brandenburg gehört zu den Förderern des Projekts an dem sechs Länder beteiligt sind. Im einstelligen Millionenbereich bewegen sich die Produktionskosten teilt Produzent Reinhard Brundig einer kleinen Journalistenrunde etwas ungenau mit.Leicht verspätet trifft die Hauptdarstellerin, Hollywoodstar Robin Wright, ein und gibt sich mit schwarzer Baskenmütze betont leger. Die wunderschöne 44-jährige Ex-Frau von Sean Penn bekennt, dass sie ebenso wie viele ihrer Kolleginnen mit dem Jugendwahn Hollywoods zu kämpfen hat: "Wenn man älter als 40 ist, wird es schwierig, noch Rollen zu finden. Sicher, es gibt feministische Veteraninnen wie Meryl Streep und Annette Benning. Aber das Publikum ist schon daran gewöhnt, 'Botox-Gesichter' zu sehen. Besser ist, dass man seine Karriere früh startet." Insofern ist für Robin Wright das Thema von Ari Folmans Film auch ein Teil ihrer Erfahrung.Es geht darin - den Stoff des Romans "Der futurologische Kongress" von Stanislav Lem variierend - um eine Zukunft, die von chronischem Glücksdrogenkonsum und von machtgierigen Medienkonzernen beherrscht wird. Für eine astronomische Summe hat das Filmstudio "Miramount" für alle Ewigkeit die Persönlichkeitsrechte an Robin Wright erworben. Sie wird digital gescannt und bleibt als Leinwandikone für immer jung und schön. Die Produzenten von Ari Folmans Film hatten ursprünglich vor, sich den Drehort für diese dramatische Szene auszudenken. Doch die Digitalisierung von Schauspielern im Film erwies sich als längst fortgeschrittener denn gedacht. Ari Folman: "Einige der aufregendsten Szenen haben wir auf der 'Light-Stage' in L.A. gedreht, das ist der fortschrittlichste Drehort der Welt, wo man die Schauspieler bereits scannen kann. Den Scan kann man dann im Film verwenden wie man will. Wir machen zwar einen Science-Fiction-Film, aber es ist auch ein wenig dokumentarisch, denn Robin wurde wirklich gescannt. Unglaublich, was die schon können! Bald brauchen sie keine Schauspieler mehr; nur noch als 'digitale Puppe'. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich das finanziell lohnt."Wie in Lems Vorlage muss die Hauptfigur im Film noch einmal den Kampf aufnehmen gegen die synthetische Welt. Autobiografisch sei das natürlich nicht, bekennt Robin Wright aber: "Als Künstlerin fürchte ich mich vor dieser Entwicklung. Autobiografisch ist, dass ich Robin Wright spiele und auch bin. Noch immer denken die Leute sofort an die Jenny aus 'Forrest Gump', wenn sie meinen Namen hören, obwohl ich 27 weitere Filme gedreht habe. Ich bin also praktisch 'eingefroren'. Das hat Ari in das Konzept des Films übernommen. Trotz meiner zwei Kinder hatte ich eine sehr ungewöhnliche Karriere. Man muss viele Filme drehen, wenn man berühmt werden will. Doch dann bekommt man einen Burn-out und hat deswegen wiederum nur eine sehr kurzlebige Karriere."Ari Folman benutzt eine ähnliche Technik wie in seinem vielfach ausgezeichneten Kriegsfilm "Waltz with Bashir". Diesmal ist aber nach 50 Minuten in der realen Lebenswelt nur die zweite Hälfte des Films animiert; sie spielt 20 Jahre später. Folman: "Robin und Danny Huston und alle anderen Schauspieler kamen zu einer 'Sound-Stage' in L.A. Wir drehten mit drei Kameras auf Video. Es war wie bei einem Theaterprojekt, sehr intensiv - 15 Drehbuchseiten pro Tag. Jetzt schneiden wir daraus einen Video-Film, der dann das Ausgangsmaterial für die Animation sein wird. Anders als bei 'Bashir' werden wir diesmal näher an der klassischen Animation der 30er- und 40er-Jahre sein."Seltsam an diesem Drehbesuch ist, dass sich alles noch in einem Rohzustand befindet, den man später im Film nicht mehr erkennen wird. Kein Bild bleibt auf dem anderen. Nur im Kopf des Filmemachers fügt sich schon alles zusammen - wie in einem Skizzenbuch.In dem kahlen Produktionsbüro in Köln bei der ehemaligen Gummifabrik Clouth, dort, wo die Studenten in den 70er-Jahren am liebsten ihre Flugblätter verteilt haben, ist plötzlich Fantasie gefordert. Ein paar Farbspritzpistolen liegen herum und Styropor-Fetzen erinnern an die Potjomkinschen Dörfer des Kinos. Plötzlich schaut Ari Folman noch einmal auf Robin Wright, die gegen das kalte Neonlicht des Büros tapfer anstrahlt und sagt: "Natürlich hab ich mich in sie verliebt, deswegen ist sie hier." Betretenes Schweigen der Journalisten. Ari Folman murmelt noch in seinen Rauschebart "Das iPhone wird die Welt" und entschwindet mit seiner Hauptdarstellerin Robin Wright zum nächsten Nachtdreh in den Kellern des Kölner Blumen-Großmarkts.------------------------------Foto: Ari Folman fängt diesen einmaligen Moment ein und scannt Robin Wright in der Blüte ihres Lebens.Foto: Einmal gescannt, ist sogar Rauchen ohne Spätfolgen für den Teint möglich.