Es ist heiß, die Programmhefte werden zu Fächern. Im Theater an der Cuvrystraße herrscht eine knisternde Atmosphäre. Es ist, als warteten alle auf das erlösende Sommergewitter: Molly schwebt auf einem Sims über der leeren Bühne. Sie hat sich wieder einmal zurückgezogen in ihr "Gartenhaus" und wird wieder einmal aufgestöbert von ihrer Mutter. Sie soll nicht so viel träumen. Seitdem der Vater nicht mehr da ist, leben die beiden in einem verschlafenen Nest an der Südküste Kaliforniens. Gertrude trägt sich mit der Idee, den reichen Mr. Solares zu heiraten, obwohl sie ihn und seine mexikanische Sippe mit Abscheu betrachtet. Weil sie ständig essen, singen und in gedankenloser Geselligkeit aufgehen. Wie eine Schar bunter, lärmender Vögel lässt Armin Holz sie über die Bühne ziehen, die Kompositionen von Till Brönner betont den operettenhaften Charakter dieser Szenen. Sie sind der komische Grund, vor dem die tragischen Beziehungen Kontur annehmen. Als Gertrude heiratet, heiratet auch Molly. Sie stehen mit ihren Brautkleidern im Garten, ein unzertrennliches Paar. Als die Mutter mit Mr. Solares nach Mexiko geht, macht Molly ihr eine wilde Liebeserklärung. Aber vergebens, - heulend bleibt sie im Gartenhaus zurück. Sie ist nicht unglücklich mit ihrem Mann, liest die unglücklichen Briefe ihrer Mutter und hofft täglich auf ihre Rückkehr. Im Brautkleid tritt sie ihr entgegen, ein Wetterleuchten im Gesicht. Gertrude ist vollkommen zerrüttet von ihrer Ehe und will sich retten durch die hemmungslose Vereinnahmung ihrer Tochter. Aber diesmal ist sie die Verlassene. "Wenn sie dir Liebe entgegenbringen würde, dann würdest du sie gar nicht mehr kennen", hatte Mrs. Constable gesagt. Mrs. Constable trinkt, seitdem ihre Tochter Vivian von der Klippe sprang "wie eine Grille". Und doch strahlt sie und hat, von Angela Schmid gespielt, in ihrer Verzweiflung etwas unglaublich Gelassenes. "Sogar sich selbst sauber zu halten, kommt einem kaum noch lohnend vor, wenn man erst einmal am Rande des Abgrunds war." Nadja M. Schulz spielt Vivian als Siebzehnjährige, die bei jedem Eindruck erschaudert und die eigene Beindruckbarkeit wie eine Diva ausstellt. "Der Garten ist fasssszinierend!" jauchzt sie mit kirre machender Stimme und klettert alle Sprossen an der Wand hoch. Momente wie diese haben eine anarchische Kraft, die die strenge Formgebung des Regisseurs erst rechtfertigen. Man sieht den gestauten Gestaltungswillen, die Jahre, in denen er nicht inszenieren konnte. Armin Holz hat sich von dem Naturalismus, den die Zeitgenossen von Jane Bowles gewohnt waren, weit entfernt. Er findet bestrickende Bilder für die Lebensgier der Frauen, ihre Lust an der Selbstzerstörung. Schön ist die Genauigkeit, mit der dabei das Licht geführt, die Musik eingesetzt, der Zeitraum bemessen wird, das ein Gefühl für seine Entfaltung braucht.