Mit einem Geständnis hat gestern der Prozeß gegen den mutmaßlichen Kaufhauserpresser "Dagobert" Arno Funke begonnen. Als Motiv nannte der 44jährige Verzweiflung.Nervös tritt Arno Funke vor die 33. Große Strafkammer. Unruhig fahren seine Hände über den Stuhl. Stockend schildert der Angeklagte, der zwei Jahre lang die Polizei zum Narren hielt, seine Situation, damals 1988, als er über Selbstmord nachdachte. Funke fällt es schwer zu reden. Er unterbricht sich."Komisch", sagt er und streicht sich über die Augen. Dann fängt er sich. Damals sei er am Ende gewesen und habe seinen Beruf aufgeben müssen, betont er. Funke geriet in Geldnot. Da sei er auf die Idee gekommen, das KaDeWe um eine halbe Million Mark zu erpressen. Der Coup gelang. Doch glücklich wurde der Berliner nicht."Früher hatte ich viele Ideen. Die scheiterten am Geld. Als ich Geld hatte, war ich zu nichts mehr fähig. Da war Sense", sinniert er. "Ich war wie tot." Es sei ihm schwer gefallen, Dinge im Gedächtnis zu behalten. Zeitungsberichte habe er sich nicht merken können, bereits gesehene Videofilme am nächsten Tag wieder ausgeliehen, seinen geparkten Wagen erst nach Stunden wiedergefunden.Er führt dies auf eine Krankheit durch seinen langjährigen Umgang mit giftigen Stoffen zurück. Zwar nahm er Medikamente. Doch die Zukunftangst blieb. Daran änderten nach Schilderung des Angeklagten die Reisen nichts, auch nicht die Ehe mit der Philippina Edna. Die Unsicherheit verstärkte sich, als das Geld fast verbraucht war. "Vielleicht schaffst du es noch mal, die Polizei reinzulegen", habe er sich überlegt. Deshalb die Karstadt-Erpressung.15 Fälle legt ihm die Anklage dabei zur Last, eine Serie von versuchten Erpressungen, gescheiterten Geldübergaben und Bombenlegen zwischen 1992 und 1994. Eine Zeit, in der Funke als Phantom Dagobert mit witzigen Erfindungen Sympathien errang. Als der Angeklagte die ersten Taten beschreibt, nimmt seine Sicherheit zu. Seine Augen leuchten, wenn er von dem selbstgebastelten Geldabwurfgerät spricht, das er im Juli 1992 mit Magneten an den D-Zug Rostock-Berlin anbrachte und sich mit einem Nachtsichtgerät in einem Wald bei Neustrelitz versteckte.Auch im Gerichtssaal sitzt Funke der Schalk im Nacken. "Soll ich jetzt eine Anleitung zum Bombenlegen geben", beantwortet er die Frage nach ihrem Aufbau. Auf Karstadt sei seine Wahl gefallen, "weil ich es gerecht verteilen wollte". Ernsthaft fügt er an: "Ich wollte keine Bezüge zum KaDeWe aufkommen lassen." Klar wird bei der Beschreibung: Funke plante seine Taten bis ins Detail.Immer wieder betont er, daß er nie Menschen gefährden wollte. So habe er den Sprengsatz am 13. Juni 1992 in der Hamburger Karstadt-Filiale nachts gezündet. Bei den Geldübergaben habe er zwar eine Pistole getragen. "Aber mit ihr wollte ich mich töten, wenn ich in die Enge getrieben worden wäre." Einen Widerspruch zu seinen Gesundheitsproblemen erkennt Funke nicht. Er habe immer eine lange Vorbereitungszeit benötigt und deshalb einige Geldübergaben abgesagt.Ob er vermindert schuldfähig war, werden zwei Gutachter klären. Am Freitag wird Funke die weiteren Taten schildern. +++