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Gottschalk, Jauch, B. und ich

Detlef Kuhlbrodt besucht seinen alten Freund B. und bemerkt mal wieder: Fernsehen ist Schwachsinn.

Detlef Kuhlbrodt
3 Min
Entertainer Thomas Gottschalk in Aktion.

Entertainer Thomas Gottschalk in Aktion.

© dpa Lizenz

Wir saßen in B.’s abgewetzter Wohnung; die Patina vieler Zigaretten war an den Wänden, die teils gelblich, teils grünlich, teils rötlich aussahen und das Licht im Zimmer weich erscheinen ließen. In einer Ecke, weiter oben auf einem Regal, stand der moderne Fernseher. Das klare Bild stach heraus aus der Patina von 30 Jahren.

Wir guckten „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle“ auf RTL. Zwei Rateteams traten gegeneinander an. Das eine bestand aus Günther Jauch und Thomas Gottschalk, das andere waren, glaube ich, Fernsehzivilisten. Für jede richtig beantwortete Frage gab es zehn Sekunden lang Luft, die in einen großen, orangefarbenen Ballon geblasen wurde. Immer wieder rief die Moderatorin ganz begeistert und wie von Sinnen: „Richtige Antwort. Zehn Sekunden Luft!“ Und dann wurde zehn Sekunden lang geblasen.

Die Sendung erinnerte mich an die aberwitzige Parodie auf eine Unterhaltungsshow in meinem Lieblingsfilm „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“. Für Momente war ich ganz begeistert, vermutlich auch, weil ich keine Ahnung vom Fernsehen habe und Shows sowieso nicht ausstehen kann, aber gemeinsam Fernsehen gucken ist eigentlich immer schön. Egal, was kommt. Wenn man zu zweit guckt, ist der Fernseher der Dritte, der auch nicht traurig ist, wenn man ihn ignoriert, und zu dritt fühlt man sich weniger allein als zu zweit; also allein mit Fernseher.

Bei B. lief der Fernseher immer nebenbei; die einzelnen Sendungen waren ihm gleichgültig, aber der Fernseher sollte laufen.

Ängstlich hofften wir auf den lauten Knall, dass die Fetzen des Ballons den Leuten um die Ohren flögen. Als es dann aber endlich knallte, war es kaum lauter, als das Platzen einer Papiertüte, und wir waren enttäuscht. Ich fühlte mich wohl in B.’s Zimmer. Es gab zwei Sessel, ein Sofa, einen Tisch; an der Wand hing ein Bild von Ché Guevara. B. kam aus einer Zeit, in der man sagte: Wer sich einrichtet, kann auch gleich CDU wählen.

Vor 30 Jahren hatte er die Möbel auf der Straße aufgelesen und seitdem standen sie so. In der selben Zeit war ich zehnmal umgezogen und stelle meine Möbel immer noch alle paar Monate um, weil es mir zu Haus nicht gefällt. Ich hatte gezögert zu fragen, wie es ihm gehe. Er sagte, in ein paar Tagen werde untersucht, ob die Behandlung angeschlagen hat.

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