Wir können nicht mehr draußen sitzen. Es ist zu kalt. Wir gehen in die Kneipe, die wir die vergangenen Monate nachts nur vom Draußensitzen kannten. Wir haben noch keine Lust auf Kerzenlicht und Heizungsluft, keine Lust auf Jacke an- und ausziehen. Wir sind noch nicht bereit.
Liebes Berlin, das liegt alles nur an dir. Du bist eine Stadt viel zu groß für einen kurzen Sommer. Eigentlich ist das eine Unverschämtheit: Im Herbst wird Bilanz gezogen, und es kommt immer zu wenig dabei heraus. Nie genug. Jedes Mal. All diese verpassten Chancen – was für ein Stress.
Wir waren nur an vier von gefühlten hundertzwölf Berliner Gewässern. Wir haben zu wenig gegrillt, auf Dachterrassen gelegen, Sommer-Cocktails geschlürft. Wir waren nicht im Freiluft-Kino, weil es immer geregnet hat, wenn es im Terminkalender stand. Über die besten Open-Air-Partys haben wir zu spät bei Facebook gelesen.
Verpasst sind das Tango-Festival, der Karneval der Kulturen und Yoga im Park. Auch das Basilikum-Eis bei „Fräulein Frost“ haben wir noch nicht probiert. Wir waren nicht Kanu fahren und Slackline-Balancieren. Und auf dem Tempelhofer Feld wollten wir doch eigentlich auch mal jonglieren, Baseball spielen oder feuerschlucken. An der Ostsee waren wir auch nur ein Mal – dabei ist das Meer hier doch so nah.
„Gäbe es nur ein Baggerloch weit und breit, wäre alles viel leichter“, seufzt mein Kumpel Basti im herbstlichen Kerzenschein. Er kennt das aus seinem Heimatdorf: Fünfmal dort sein, das Ufer an jeder Stelle einmal plattliegen, sich die Zehen an den Kieseln aufschlagen, und man hat seinen Sommer gehabt.
„Man sollte nicht immer in To-Do-Listen denken“, sagt Basti irgendwann. „Sondern in Have-Done“. Auf einmal fällt uns ziemlich viel ein, was zwischen Mai und Oktober passiert ist. Die Kerze brennt herunter. Die Stunden vergehen. Der Winter kann kommen.
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