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Lust und Last der Griechen

Unser Autor sinnt in Athen über Berlin nach.

Torsten Harmsen
3 Min
Wer an Athen denkt, denkt automatisch die Akropolis.

Wer an Athen denkt, denkt automatisch die Akropolis.

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Kurzurlaub in Athen. Mitten in der Nacht sitzen Hunderte junger Leute im alten Viertel unter der Akropolis. Über den Treppen-Restaurants glimmen bunte Lichter. Auf Weinranken turnen Katzen umher. Wollte man es mit Berlin vergleichen, wäre dies so etwas wie die Simon-Dach-Straße plus Romantik und schönes Wetter.

Doch wo ist die Krise? Wo sind die Griechen, die ihre Dinge nicht in den Griff kriegen? Der allererste Eindruck von Athen jedenfalls bestätigte das Klischee nicht: ein sauberer, funktionierender Flughafen, ein Zug, der einen in einer halben Stunde ins Stadtzentrum bringt. Eine Art S-Bahn plus Schnelligkeit und Pünktlichkeit.

Sicher funktioniert es nicht überall so. In der Stadt selbst findet man neben der Antike, den Parks, Einkaufsstraßen und Cafés unzählige Zeichen dafür, dass es vielen nicht besonders gut geht. Hier zählt jeder Cent. Überall wollen Leute etwas verkaufen, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Viele Häuser drohen einzustürzen – mühsam mit Balken abgestützt. Und hinter die Kulissen lässt sich nur schwer sehen.

Auch die aufmüpfigen, trotzigen Griechen kann man erleben. Sogar einen ganzen Nationalfeiertag lang, am Ochi-Tag. Man steht am Straßenrand und staunt, dass unter schmissiger Militärmusik Hunderte von Schülern vorbeiziehen, in Uniformen und im Gleichschritt, stolz die Fahnen hochhaltend. Hier wird das Ochi, also das Nein gefeiert – allerdings mal nicht zu Merkels Euro-Politik, sondern zu einem Ultimatum, das Mussolini 1940 den Griechen gestellt hatte. Schülerparaden sind Tradition an diesem Tag.

„Ick soll die schwere Fahne traaren?

Man stelle sich das mal in Berlin vor. „Watt, ick soll die schwere Fahne traaren? Nee, mach du ditt mal, du kannst ditt bessa!“ – „Eh Alta, traach die ma selba! Mir tut die Schulta weh!“ Und die Deutschen? Spüren sie Wut oder Fremdheit in Athen? Kaum. Nur einmal sprach mich ein alter Mann an und sagte: „Eure Präsidentin ist so streng. Sie lacht nie und steht immer so da.“ Er presste die Hände ans Hosenbein. Ich zeigte ihm die berühmte Merkelsche Raute. Er lachte sich halb tot und klopfte mir auf die Schultern.

Apropos erster Eindruck. Wenn die Griechen nach Berlin kommen und in Schönefeld landen, müssen sie mit ihren Taschen durch halbdunkle, verwinkelte Gänge und Treppenhäuser buckeln, bevor sie in einer halbwegs zivilisierten Halle stehen. Und an der Decke des nahen S-Bahn-Tunnels zeigen sich Risse. „Wir sollten den Mund nicht zu voll nehmen“, sagt meine Frau. Ich entgegne: „Jenau. So isset.“

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