Die Hochzeit meiner dicksten Freundin“ läuft um 23.15 Uhr im Cubix am Alexanderplatz. Es ist erst 22 Uhr. Die Kneipe links vom Kino ist zu laut, die rechts zu schummrig, um lesen zu können. Also setze ich mich im Cubix im ersten Stock an einen Tisch, krame meinen Bleistift aus der Manteltasche und will anfangen.
Da gehen die Türen zum Kino 7 auf und Hunderte von Menschen kommen heraus. Wann habe ich das letzte Mal ein so dickepack besetztes Kino gesehen? Es sind Gruppen von Ehepaaren. Der Geräuschpegel ist auffallend niedrig. Die meisten gehen nach hinten. Dort ist eine Garderobe eingerichtet worden.
Jetzt merke ich: Kaum einer dieser Kinobesucher ist unter fünfzig. Es dauert mehr als eine halbe Stunde bis alle weg sind. Ich frage eine der jungen Frauen aus der Garderobe, was es denn in Kino 7 gab. „Othello“ ist ihre Antwort. Sie lächelt dazu. Sie hat einen sehr engen schwarzen Rock und eine Arielweiße Bluse an und gefällt mir sehr.
Ihre Kolleginnen tragen die gleichen Röcke und Blusen. „Ist das Ihre Othello-Uniform?“, frage ich. „Nein, es gehört zur Ausstattung, wie auch die Bereitstellung einer Garderobe und der Saalschmuck, wenn wir eine Liveübertragung aus der MET in New York bringen.“ Ich begreife: Ich bin im Seniorenprogramm. Ich bin exakt die Zielgruppe nicht nur für die Opernübertragungen, sondern auch für die Marketingidee, junge Frauen um die zwanzig in enge schwarze Röcke und weiße Blusen zu stecken. Nichts wie weg.
Ich fliehe zu meiner dicksten Freundin ins Kino 3. Um 0.30 Uhr bekommt dort deren Freundin von ihrem Lover mitten in der Nacht einen Eierkuchen gebacken.
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