Neulich hatte meine Nachbarin S. einen „Mädscheabend“. Sie sagt immer „Mädsche“, denn sie kommt aus dem Rheinland. Wenn sie „Mädscheabend“ hat, klingelt sie vorher bei mir, zwinkert mir zu und sagt mit vorgeschobenen Kopf: „Naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa?“ Ich sage: „Na.“ „Ich mach’ heut’ Mädscheabend“, lacht sie. „Ach“, erwidere ich, die Augenbrauen innerlich schon hochgezogen ob des Mädschelärms, der bis tief in die Nacht an meine Schlafzimmerwand branden wird. „Du kannst natürlich auch kommen“, kichert sie schon wieder im Treppenhaus. „Ha. Ha. Ha.“, sage ich, zurück in meiner Wohnung und auf der Suche nach den Ohrenstöpseln. Im Grunde ist es kein Problem, „Mädscheabend“ ist höchstens alle paar Monate mal, denke ich.
Ich wache gegen zwei Uhr morgens auf. Ein Ohrstöpsel ist herausgefallen, ich versuche ihn auf dem Kissen zu ertasten. Totenstille. „Mädscheabend“ schon zu Ende, denke ich und schlafe wieder ein.
Am nächsten Abend treffe ich meine Nachbarin auf der Treppe, sie wirkt ausgeruht und vergnügt wie immer. „Na, ihr wart aber früh fertig gestern“, sage ich. „Du“, erwidert sie, „wir haben gegessen und sind dann alle bei einem japanischen Horrorfilm auf dem Sofa eingeschlafen. Das war sooooo nett. Du musst unbedingt mal dazukommen.“
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