Auslöser für die spontane Performance sind kleine Lichtpunkte, die über den Asphalt schwirren. Sie sind grün und rot. Die Punkte flittern aus einer unsichtbaren Quelle, die in dem Spätkauf liegen muss, vor dessen hell erleuchteter Scheibe sich der Tanz der Nachtmenschen abspielt. Die anderen aus der Gruppe bleiben stehen und sehen zu. Ich auch. Es sieht schön aus, entrückt, wie Schattentheater.
Ein, zwei Stunden später, an einer Kreuzung: wieder eine Art Tanz. Eine schmale junge Frau starrt auf die Fahrbahn. Schlägt die Hände vor das Gesicht, lugt durch die gespreizten Finger, schließt sie wieder. Sie rollt den Oberkörper nach unten und zusammen, verzweifelt, dann streckt sie sich entschlossen. Macht einen spitzen Schritt in Richtung Fahrbahn – und springt zurück. Es fahren zu viele Autos, und sie sind zu schnell. Das Ganze von vorn, Hände vors Gesicht, zaghafter Blick hindurch, Trippelschritt und wieder zurück. Und so weiter.
Als die Autoschlange für einen längeren Augenblick zerreißt, hüpft sie auf die Straße, klaubt ihr Handy vom Boden und rettet sich zurück auf den Gehweg. Ein Blick auf das Gerät, kurz leuchtet ihr Gesicht im Schein des Displays auf. Es folgt ein Freudentänzchen. Es geht noch. Ich freu mich mit, aus der Entfernung.
Und wundere mich gar nicht, dass ich noch ein drittes Mal in dieser Nacht Leute tanzen sehe. Fast schon zu Hause, höre ich Musik aus einem Fenster. Eine aus der Zeit gefallene Musik, sie passt gar nicht zur Samstagnacht und zur Großstadt. Walzer, langsam. Dem Paar in mittleren Jahren, das gerade ein Lokal verlässt, passt sie aber. Wie ferngesteuert greifen sie sich an Händen und Schultern und drehen sich ein paar Mal gekonnt zur Musik. Sehen sich an. Bestimmt lächeln sie, mindestens mit den Augen.
Ich bleibe stehen, weit genug weg, um sie nicht zu stören, nah genug, um sie zu sehen. Und frage mich: Wozu Clubs? Die Stadt tanzt, wo sie will.
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