0:1 auf Schalke: Hertha hat trotz guter Auswärtspartie wieder das Nachsehen

Der destruktive Matchplan des Schalker Trainers ist aufgegangen.

BLZ
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Gelsenkirchen - Fabian Lustenberger wirkte ein wenig ratlos, als er sich die seltsamen Drehungen und Wendungen der jüngeren Entwicklung des Berliner Bundesligateams vergegenwärtigte. „In der Hinrunde war die Effizienz noch unsere Stärke“, sagte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC nach der ärgerlichen 0:1-Niederlage beim FC Schalke, in deren Verlauf sein Team eine hübsche Serie guter Tormöglichkeiten gehabt hatte.

Ein 8:0-Torschussverhältnis hatten die Berliner in der zweiten Halbzeit erspielt, Mitte der ersten Hälfte hatte Niklas Stark nicht einmal aus vier Metern das leere Tor getroffen, und Trainer Pal Dardai resümierte: „Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht und hätten mehr verdient gehabt.“

Dass die Effizienz der Hinrunde verloren ging, ist nun ähnlich merkwürdig, wie die Umkehrung von Heim- und Auswärtsstärke: Im Vorjahr war der Klub eine Macht im heimischen Olympiastadion und punktete nur selten auf Reisen, nun sind sie eher auswärts stark. Wobei sich diese Entwicklung leichter herleiten lässt, als der Verlust der Effizienz.

„Das wird nicht schön sein"

Dardai hatte bereits unter der Woche offengelegt, wie seine Auswärtsstrategie derzeit meist aussieht: „Wir wollen nicht spielen, wir wollen gut stehen und kontern.“ Damit hatten sie zuletzt in Leverkusen gewonnen und ein 0:0 beim FC Bayern ermauert. Der Vorsatz zur Destruktion geht soweit, dass Dardai vor dem Anpfiff in einem TV-Interview eine geradezu bizarre Empfehlung aussprach: Es gebe an diesem Wochenende bessere Optionen zur Freizeitgestaltung als die Betrachtung dieses Fußballspiels.

„Das wird nicht schön sein, ich kann den Menschen anbieten, andere Spiele anzuschauen“, hatte der Ungar gesagt. Dabei spielten Berliner gar nicht so schlecht, auch offensiv, sie waren das aktivere, das fußballerisch bessere Team. „Wir haben wieder gezeigt, dass wir gegen starke Mannschaften mithalten können“, sagte Lustenberger.

Möglichst wenig Ballbesitz

Wobei man recht kontrovers darüber diskutieren kann, ob die Schalker wirklich eine starke Mannschaft sind. Klar, sie haben zuletzt in Leverkusen gewonnen und nun auch die Hertha geschlagen, sie sind Tabellenzweiter, aber sie spielen einen Fußball, der nicht über technische Finesse, nicht über individuelle Klasse, nicht über Tempo und Inspiration funktioniert. Sondern vor allem über strategisches Geschick.

„Wir haben versucht, der Mannschaft die Statistik der Hertha zu verinnerlichen“, erläuterte Tedesco nach der Partie und präzisierte: „Immer dann, wenn die Berliner weniger Ballbesitz hatten als der Gegner, haben sie nicht verloren.“ Die einzige Ausnahme war das Hinspiel gegen die Schalker, die seinerzeit aber lange in Überzahl gespielt hatten. Der königsblaue Vorsatz lautete also: Verschafft den Berlinern möglichst viel Ballbesitz. Dass unter diesen skurrilen Voraussetzungen keine unterhaltsame Fußballshow entstand, kann niemanden überraschen.

Eine gute Chance verpasst

Vielleicht verteidigten die Berliner aufgrund der Schalker Weigerung, Dinge zu wagen, in jener 37. Minute so unaufmerksam, als Nabil Bentaleb plötzlich doch einen Moment der Inspiration hervorzauberte und einen brillanten Diagonalball auf den Flügel schlug. Dort verteidigten Marvin Plattenhardt und Davie Selke nicht energisch gegen Daniel Caligiuri, der in den Strafraum passte, wo Peter Pekarik im Zentrum zu spät gegen den Torschützen Marko Pjaca kam. „Das war die einzige grobe Fahrlässigkeit in unserem Spiel“, sagte Selke.

Schalke stellte in der Folge das Fußballspielen komplett ein, und war nur noch darauf bedacht, den eigenwilligen Matchplan des Trainers umzusetzen. Das Ziel, möglichst weniger Ballbesitz zu haben als die Gäste, verpassten sie zwar, die Statistiker hatten am Ende ein Verhältnis der Ballaktionen von 51:49 für Schalke erhoben, aber die Punkte blieben in Gelsenkirchen.

Und so darf Tedesco sich nach diesem Duell der Trainerpragmatiker tatsächlich als einziger Bundesligacoach feiern, der in der laufenden Saison trotz größerer Spielanteile gegen Hertha gewonnen hat – und das gleich zweimal. Fußballnerds mögen ihm für diesen Privaterfolg einen Ehrenpreis verleihen, aber die Herzen von Freunden des konstruktiven Offensivspiels werden Tedesco nicht zufliegen. Und Pal Dardai, dem man nicht vorwerfen kann, beim neuen Tabellenzweiten zu wenig riskiert zu haben, muss sich ärgern, dass eine gute Chance verpasst wurde, doch noch einmal den Anschluss ans obere Tabellendrittel herzustellen.

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