1. FC Union Berlin gegen VfL Bochum

Sascha Lewandowski hat kaum Alternativen

Wie fragil die Lage beim 1. FC Union vor der Partie beim VfL Bochum ist, zeigt die Debatte um mögliche neue Assistenztrainer. Chefcoach Sascha Lewandowski ärgern diese Gerüchte. Zum Auswärtsspiel im Ruhrgebiet fahren die Eisernen als Außenseiter.

Max Bosse
4 Min
Alles neu macht der Winter? Sascha Lewandowski wartet auf den Erfolg.

Alles neu macht der Winter? Sascha Lewandowski wartet auf den Erfolg.

© dpa/Soeren Stache Lizenz

Zunächst steigt der Duft eines Herrenparfüms in die Nase, es folgt ein fester Händedruck. „Hallo, ich bin der neue Co-Trainer.“ Beim 1. FC Union wehrt man sich dieser Tage auch mit Humor gegen störende Unterstellungen. Der Händeschüttler ist natürlich nicht der neue Assistent von Chefcoach Sascha Lewandowski, sondern Manager Nico Schäfer. Er belässt es bei dem Scherz und steigt die Treppen zur Kantine hoch.

Deutlicher wurde wenige Minuten der entscheidende Mann. „Es gab nicht ein einziges Gespräch“, dementierte Lewandowski. „Das ist überhaupt kein Thema.“ Die Medienberichte, denen zufolge er schon in der Winterpause zwei neue Assistenten anstellen möchte, ärgern ihn. Es ist einer der seltenen Momente, in denen deutlich wird, wie fragil das Union-Gefüge ist.

Gerichtstermin vor Abstiegskampf

Die seit Wochen bedrohliche Lage nahe der Abstiegsplätze schlägt zumindest äußerlich nicht auf die Laune der Spieler und Betreuer – keine hängenden Köpfe, keine Selbstzweifel. Besucher werden auf eine familiäre Art willkommen geheißen, an der Alten Försterei herrscht eine freundschaftliche Wohlfühlatmosphäre. Spieler kommen zum Training, lachen, grüßen.

Der Glaube an die eigene Stärke wird auch vor der Partie beim VfL Bochum (Freitag, 18.30 Uhr) vorangestellt. Auch Dirk Zingler schaut kurz vor Trainingsbeginn vorbei. Journalisten, Spieler und Betreuer haben tatsächlich ein paar Schrippen übrig gelassen. Deshalb liebe er die Tage, an denen Pressekonferenzen abgehalten werden, hat er vor Kurzem einmal im Vorbeigehen gescherzt. Ein Präsident, der einer warmen Mittagsmahlzeit Brötchen vorzieht – ach, wie schön (bescheiden) ist Köpenick.

Aber hinter den Kulissen rumort es. Einer, der vor gut zwei Monaten aus der Familie verstoßen wurde, wird am Freitagmittag vor dem Arbeitsgericht vorstellig, nachdem ein außergerichtlicher Einigungsversuch gescheitert ist. Der gefeuerte Trainer Norbert Düwel klagt gegen die Kündigung seines Arbeitsverhältnisses. Wahrscheinlich bereitet die Gerichtsverhandlung der Vereinsleitung weniger Sorgen als das, was Düwel hinterlassen hat.

Kenny Prince Redondo bereitet Lewandowski Freude

„Dass wir in Bochum Außenseiter sind, ist klar“, sagte Düwels Amtsnachfolger Lewandowski. Das ist zum kleineren Teil eine typische Schutzbehauptung und zum größeren eine Realitätsbeschreibung, von der sich Klubchef Zingler später im Regen stehend persönlich überzeugte.

Außer Maximilian Thiel, der mit bandagiertem Unterschenkel um den Platz rannte, gegen Bochum aber dabei sein wird, mühten sich alle Spieler durch die Mannschaftseinheit. Dennoch hat Lewandowski kaum Alternativen für die zuletzt leidlich erfolgreiche Auswahl. Vergangene Woche hat eine Elf aus Ersatz- und Jugendspielern ein verkürztes Trainingsspiel gegen den Berliner AK verloren. „Der Grundeindruck war sehr trist“, sagte Lewandowski nun, „und das lag nicht an den Jugendspielern.“

Raffael Korte wusste den Trainer zumindest in den Übungen danach zu überzeugen, und Kenny Prince Redondo, der das einzige Tor gegen den Regionalligisten schoss, ist laut Lewandowski einer, der „als Typ Spaß macht“. Das ändert nichts daran, dass der Kader nicht das hält, was sich der 44-Jährige von ihm versprochen hat. Nach der Winterpause wird er – wohl mit Spielern, die seine Fußballidee besser ausfüllen können als das Personal, das Düwel ausgewählt hat – zum Dominanzfußball zurückkehren wollen.

Viel Lob und eine Alternative

Bis dahin gilt es gegen Bochum und den folgenden vier Spielen mit pragmatischer Defensive Punkte einzufahren. Die Assistentendebatte kommt dem Trainer daher zur Unzeit. „Wir haben so viele Baustellen“, ärgert er sich. Außer der Hoffnung an den baldigen Durchbruch hat die Mannschaft nicht mehr viel, an was sie sich halten kann. Beleidigte, weil perspektivisch abgesetzte Assistenztrainer würden derzeit den Untergang bedeuten.

Demonstrativ lobt Lewandowski die „hervorragende Zusammenarbeit“: André Hofschneider sei ein „sehr guter Analytiker“ und „super Experte mit sehr viel Erfahrung in der Zweiten Liga“. Diese Erfahrung helfe ihm als Zweitliga-Neuling enorm weiter, auch dass er eine andere Herangehensweise an den Fußball habe. Sebastian Bönig bezeichnete er „als klasse Typ, der unheimlich viel positive Energie ausstrahlt“. Zunächst wird sich also nichts ändern.

Vor einer Woche hat Lewandowski in Leverkusen seinen Ausstand gegeben. Natürlich hat er dort mit Nachwuchstrainer Tom Cichon gesprochen, mit dem er ohnehin ein Mal pro Woche telefoniert. Aber die Assistenzstelle sei nicht zur Sprache gekommen, versichert Lewandowski. Und: „Dass zwei neue Co-Trainer kommen, schließe ich kategorisch aus.“ Akzeptiert. Einer könnte es aber werden. Schließlich hat er von Anfang an mit dem Gedanken gespielt, einen Getreuen mitzubringen. Und trotz hervorragender Zusammenarbeit funktioniert zu vieles nicht nach Plan.

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