Erinnern wir uns an das, was Uli Hoeneß im Oktober 2019 bei einer von der Berliner Zeitung organisierten Zusammenkunft mit Dirk Zingler in der Präsidentenloge der Münchner Allianz-Arena zum Klubboss des 1. FC Union Berlin gesagt hat: „Wenn Sie jetzt 75 Millionen Euro an Umsatz machen, dann halte ich für Sie in einem absehbaren Zeitraum 150, 200 möglich.“
Ja, wenn es um Fußball und das Potenzial von Vereinen geht, dann ist Uli Hoeneß unschlagbar, denn siehe da: Nur vier Jahre nach dem Treffen mit dem Regenten des deutschen Rekordmeisters durfte Zingler auf einer Mitgliederversammlung seines Klubs in Bezug auf den Umsatz für die Spielzeit 2022/23 folgende Rekordzahl präsentieren: 174,10 Millionen Euro. Zudem berichtete der 59-Jährige am Sonntag von einem Gewinn in Höhe von 18,09 Millionen Euro und von einer Umsatzerwartung für die Saison 2023/24 von rund 190 Millionen Euro.
Das wagte Zingler nicht zu hoffen
Dass sich die Prophezeiung von Hoeneß so schnell erfüllen würde, wagte wohl auch Zingler im Oktober 2019 nicht zu hoffen. Zudem, dass sein Verein dank des rasanten Aufschwungs das von ihm vor neun Jahren postulierte Ziel, sich unter den Top 20 in Deutschland zu etablieren, längst erreicht hat. Und nicht nur das: Es ist vielmehr so, dass die Eisernen inzwischen zu den Top 40 der umsatzstärksten Klubs in Europa zu zählen sind – wenn nicht sogar zu den Top 30.
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In einer im Januar dieses Jahres von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte erstellten Tabelle nahm der FC Southampton mit 177,70 Millionen Euro jedenfalls Platz 30 ein. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Saints nach dem Abstieg aus der Premier League in der laufenden Championship-Saison wohl kaum ähnliche Einnahmen erzielen werden.
Segen und Fluch zugleich
Was sich aus all diesen Zahlen ableiten lässt, ist klar: Zum einen darf im Zusammenhang mit dem 1. FC Union Berlin nur noch in Ausnahmefällen die Rede von einem Außenseiter sein, wenn die Eisernen also auf Großklubs wie Real Madrid, Manchester City oder Bayern München treffen. Zum anderen passt dadurch das von Trainer Urs Fischer und seinen Spielern immer wieder mal gern vorgebrachte Saisonziel mit den 40 Punkten nicht mehr so recht ins Bild.
Ja, der Klassenerhalt ist das Mindeste, was man von einer Mannschaft mit einem Personalkostenetat von etwa 60 Millionen Euro erwarten darf. Und ein Abstieg wäre nicht nur ein Ausrutscher, sondern wie bei allen anderen Klubs mit vergleichbaren Kennzahlen und Ambitionen schlicht und ergreifend ein Desaster.
Schnelles Wachstum ist also Segen und Fluch zugleich. Es zieht zwangsläufig Veränderungen nach sich, im Speziellen bei der Außen- und Eigenwahrnehmung, wobei das eine natürlich das andere bedingt.
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