1. FC Union gegen den 1. FC Heidenheim

Bei Union hat endlich wieder was geklappt

Der 1. FC Union hat gewisse Probleme bei der Trikotauswahl, gewinnt aber in Heidenheim mit 2:0. Endlich hat mal wieder ein Auswärtsspiel geklappt.

Max Bosse
7 Min

Ein paar Dinge hatten ja ordentlich geklappt bei diesem 2:0 (1:0) gegen den 1. FC Heidenheim. Mitteilen konnte der 44-Jährige das seinem Team zunächst nicht, weil Zejnullahu fehlte. Wie bereits in der entscheidenden Phase des Spiels nach der Halbzeitpause, was aber zunächst niemandem aufgefallen war. Erst nach zehn Minuten wunderte sich Steven Skrzybski, als er neben sich Steven Skrzybski entdeckte. „Ich habe mich erst mal selbst hinterfragt“, sagte er nach der Partie. Bin ich ich? Bin ich du? Fest stand: Die Nummer 24 war zwei Mal auf dem Feld. Zejnullahu hatte sich in der Pause das falsche Trikot gegriffen.

Der Ligaverband möchte ja gerne, dass sich die Fußballer dem Millionenpublikum vor den Bildschirmen von ihrer schönsten Seite zeigen und in sauberen Hemden auflaufen. Deshalb hat jeder Spieler zwei Trikots im Gepäck – und Zejnullahu hatte in Heidenheim allen Grund, sein Dress zu wechseln. Die Unioner hatten sich vorgenommen, keinen Ball verloren zu geben. Die Folge waren viele Grätschen, viele Fouls und entsprechend viel Dreck auf den Klamotten. „Wir wollten über die Mentalität kommen und ohne Kabinettstückchen“, sagte der neue Kapitän Benjamin Kessel. Dass er die fünfte Gelbe Karte kassierte, und nächste Woche gesperrt ist, war die logische Konsequenz der Vorbildfunktion.

Daniel Haas, Torwart: In der ersten Hälfte unbeschäftigt, in der zweiten war wieder einmal fast jeder Schuss auf sein Tor ein Treffer.

Daniel Haas, Torwart: In der ersten Hälfte unbeschäftigt, in der zweiten war wieder einmal fast jeder Schuss auf sein Tor ein Treffer.

© imago/Contrast Lizenz

Benjamin Kessel, Rechtsverteidiger: Verwehrt sich gegen die Vermutung, dass die Kapitänsbinde aus ihm einen neuen Mann macht. „Das war der gleiche Benni wie immer“, sagte der neue Spielführer nach der Partie. Tatsächlich. Genauso aggressiv in den Zweikämpfen und Wortgefechten mit dem Gegner wie eh und je. Rein systemtheoretisch war er natürlich nicht Rechtsverteidiger, sondern im Mittelfeld angesiedelt. Die defensive Ausrichtung wollte es aber, dass er vorwiegend hinten zu finden war.

Benjamin Kessel, Rechtsverteidiger: Verwehrt sich gegen die Vermutung, dass die Kapitänsbinde aus ihm einen neuen Mann macht. „Das war der gleiche Benni wie immer“, sagte der neue Spielführer nach der Partie. Tatsächlich. Genauso aggressiv in den Zweikämpfen und Wortgefechten mit dem Gegner wie eh und je. Rein systemtheoretisch war er natürlich nicht Rechtsverteidiger, sondern im Mittelfeld angesiedelt. Die defensive Ausrichtung wollte es aber, dass er vorwiegend hinten zu finden war.

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Roberto Puncec, Rechtsverteidiger: Stand tapfer seinen Mann, so dass über seine Seite kaum Gefahr drohte. Aggressiv in den Zweikämpfen und endlich mit seinem ersten Tor für Union. Dass er später nicht mit einem Lächeln in die Kabine ging, lag nicht an ihm, sondern an den Teamkollegen.

Roberto Puncec, Rechtsverteidiger: Stand tapfer seinen Mann, so dass über seine Seite kaum Gefahr drohte. Aggressiv in den Zweikämpfen und endlich mit seinem ersten Tor für Union. Dass er später nicht mit einem Lächeln in die Kabine ging, lag nicht an ihm, sondern an den Teamkollegen.

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Toni Leistner, Innenverteidiger: Fälschte den Führungstreffer unglücklich ab, verpasste nach Trimmel-Ecke die Führung und wurde von Schöpf vor dessen Anschlusstor wie bestellt und nicht abgeholt stehen gelassen. Dabei war er eigentlich gar nicht so schlecht gewesen, wie es am Ende aussah.

Toni Leistner, Innenverteidiger: Fälschte den Führungstreffer unglücklich ab, verpasste nach Trimmel-Ecke die Führung und wurde von Schöpf vor dessen Anschlusstor wie bestellt und nicht abgeholt stehen gelassen. Dabei war er eigentlich gar nicht so schlecht gewesen, wie es am Ende aussah.

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Michael Parensen, Linksverteidiger: Schaffte es im Gegensatz zu Puncec nicht, seine Seite ordentlich zu befestigen. Das lag auch daran, dass die defensive Unterstützung von Zejnullahu und Thiel anfangs mangelhaft war. Wurde von Schöpf ebenfalls zum Sololauf bestellt und nicht abgeholt. Reagierte beim Ausgleichtreffer zu langsam. War leider nicht besser, als es aussah.

Michael Parensen, Linksverteidiger: Schaffte es im Gegensatz zu Puncec nicht, seine Seite ordentlich zu befestigen. Das lag auch daran, dass die defensive Unterstützung von Zejnullahu und Thiel anfangs mangelhaft war. Wurde von Schöpf ebenfalls zum Sololauf bestellt und nicht abgeholt. Reagierte beim Ausgleichtreffer zu langsam. War leider nicht besser, als es aussah.

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Maximilian Thiel, linkes Mittelfeld: Wie schon in Heideheim war er meist Außenverteidiger und nicht Außenangreifer. Defensiv dieses Mal allerdings mit ein paar Schwächen. Nach vorne gab er den Antreiber, wie es sich für einen Kapitän gehört. Er hatte das Amt vom gesperrten Benjamin Kessel übernommen. Daher durfte er am Ende auch vor den Mikrofonen Bilanz ziehen: „Es tut weh.“

Maximilian Thiel, linkes Mittelfeld: Wie schon in Heideheim war er meist Außenverteidiger und nicht Außenangreifer. Defensiv dieses Mal allerdings mit ein paar Schwächen. Nach vorne gab er den Antreiber, wie es sich für einen Kapitän gehört. Er hatte das Amt vom gesperrten Benjamin Kessel übernommen. Daher durfte er am Ende auch vor den Mikrofonen Bilanz ziehen: „Es tut weh.“

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Stephan Fürstner, defensives Mittelfeld: Hat laut Presseabteilung des 1. FC Nürnberg noch nie ein gutes Spiel gegen die Franken gemacht. Selbst zu seiner Zeit als Fürther Leistungsträger nicht. Hatte sich offenbar vorgenommen, das zu ändern. War der einzige, der es wagte, in der ersten Viertelstunde auf das Gästetor zu schießen. Fazit: Ziel verfehlt.

Stephan Fürstner, defensives Mittelfeld: Hat laut Presseabteilung des 1. FC Nürnberg noch nie ein gutes Spiel gegen die Franken gemacht. Selbst zu seiner Zeit als Fürther Leistungsträger nicht. Hatte sich offenbar vorgenommen, das zu ändern. War der einzige, der es wagte, in der ersten Viertelstunde auf das Gästetor zu schießen. Fazit: Ziel verfehlt.

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Eroll Zejnullahu, defensives Mittelfeld: Was schlecht war: ermöglichte den Nürnbergern durch Ballverluste einige Konter. Was gut war: stoppte einige Konter nach Ballverlusten seiner Mitspieler. War aber letztlich dem Angriffsdruck an diesem Tage nicht gewachsen.

Eroll Zejnullahu, defensives Mittelfeld: Was schlecht war: ermöglichte den Nürnbergern durch Ballverluste einige Konter. Was gut war: stoppte einige Konter nach Ballverlusten seiner Mitspieler. War aber letztlich dem Angriffsdruck an diesem Tage nicht gewachsen.

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Damir Kreilach, offensives Mittelfeld: Weil er kopfballstark ist und Bälle gut sichern kann, sollte er in der Schlussphase einen auf Angreifer machen. Naja, ging so. Wie auch davor. Eine gute Flanke von Thiel konnte er in der 83. Minute nicht verwerten.

Damir Kreilach, offensives Mittelfeld: Weil er kopfballstark ist und Bälle gut sichern kann, sollte er in der Schlussphase einen auf Angreifer machen. Naja, ging so. Wie auch davor. Eine gute Flanke von Thiel konnte er in der 83. Minute nicht verwerten.

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Bobby Wood, Angriff: Arbeitete viel und belohnte sich dafür mit seinem fünften Saisontor. Bereitete zudem den Treffer von Skrzybski mit Übersicht vor. Hat dazu gelernt.

Bobby Wood, Angriff: Arbeitete viel und belohnte sich dafür mit seinem fünften Saisontor. Bereitete zudem den Treffer von Skrzybski mit Übersicht vor. Hat dazu gelernt.

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Steven Skrzybski, Angriff: Als er vom Platz musste, ging der Elan verloren. Hatte zuvor das Offensivspiel pausenlos angetrieben und Union nicht zufällig mit einem tollen Schuss in den Winkeln in Führung gebracht. Zudem hatte er geschickt und mit viel Tempo die Räume zugelaufen, bevor die Nürnberger diese für ihren Spielaufbau nutzen konnten. Einziger Kritikpunkt: Warum reichte die Kraft nicht für 90 Minuten? Die Antwort findet sich in den zwei Sätzen zuvor. Bester Unioner.

Steven Skrzybski, Angriff: Als er vom Platz musste, ging der Elan verloren. Hatte zuvor das Offensivspiel pausenlos angetrieben und Union nicht zufällig mit einem tollen Schuss in den Winkeln in Führung gebracht. Zudem hatte er geschickt und mit viel Tempo die Räume zugelaufen, bevor die Nürnberger diese für ihren Spielaufbau nutzen konnten. Einziger Kritikpunkt: Warum reichte die Kraft nicht für 90 Minuten? Die Antwort findet sich in den zwei Sätzen zuvor. Bester Unioner.

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Sören Brandy, Angriff: Kam für Skrzybski, lief und vergab zwei Mal die Chance zum Siegtor. Weder mit dem Kopf noch mit dem Fuß zielsicher. Daher: außer Spesen nichts gewesen.

Sören Brandy, Angriff: Kam für Skrzybski, lief und vergab zwei Mal die Chance zum Siegtor. Weder mit dem Kopf noch mit dem Fuß zielsicher. Daher: außer Spesen nichts gewesen.

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Collin Quaner, Angriff: Kam zu spät (80.), lief einen Tick zu früh und stand daher knapp im Abseits. Für nur zehn Einsatzminuten aber mit ziemlich vielen guten Szenen.

Collin Quaner, Angriff: Kam zu spät (80.), lief einen Tick zu früh und stand daher knapp im Abseits. Für nur zehn Einsatzminuten aber mit ziemlich vielen guten Szenen.

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Christopher Trimmel, rechtes Mittelfeld: Half Puncec vorbildlich dabei, keine Angriffe zuzulassen. Defensiv richtig stark (gab bei gegnerischem Ballbesitz den Außenverteidiger), und offensiv mit dem Wachmacher der Partie. Seinen abgewehrten Schuss stocherte Wood zum Ausgleich ins Netz. Seine Standards waren richtig gut. Obwohl er mit Puncec auch im Angriff fabelhaft harmonierte (Eckball auf den Kopf), konnte er die tolle Erstehälfteform nicht ganz halten. Beim 3:3 auch nicht schneller als Parensen.

Christopher Trimmel, rechtes Mittelfeld: Half Puncec vorbildlich dabei, keine Angriffe zuzulassen. Defensiv richtig stark (gab bei gegnerischem Ballbesitz den Außenverteidiger), und offensiv mit dem Wachmacher der Partie. Seinen abgewehrten Schuss stocherte Wood zum Ausgleich ins Netz. Seine Standards waren richtig gut. Obwohl er mit Puncec auch im Angriff fabelhaft harmonierte (Eckball auf den Kopf), konnte er die tolle Erstehälfteform nicht ganz halten. Beim 3:3 auch nicht schneller als Parensen.

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Sascha Lewandowski, Trainer: Hat gelernt, von seinem fußballerischen Anspruch zurückzutreten und auch mal auf Nummer sicher zu gehen. Die defensive Grundordnung mit fünf Verteidigern funktionierte auch dieses Mal ordentlich. Aber die Doppelauswechslung der beiden Angreifer Wood und Skrzybski war dann etwas zu viel der Sicherheit. Der Schuss ging nach hinten los.

Sascha Lewandowski, Trainer: Hat gelernt, von seinem fußballerischen Anspruch zurückzutreten und auch mal auf Nummer sicher zu gehen. Die defensive Grundordnung mit fünf Verteidigern funktionierte auch dieses Mal ordentlich. Aber die Doppelauswechslung der beiden Angreifer Wood und Skrzybski war dann etwas zu viel der Sicherheit. Der Schuss ging nach hinten los.

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Durch den Düsseldorfer Sieg am Vorabend des Union-Spiels waren die Berliner auf den Relegationsplatz abgerutscht. „Spielerisch und im Umschaltspiel hat man gemerkt, dass die Mannschaft verkrampft ist“, sagte Lewandowski. Er hatte die Aufstellung aufgrund der Abstiegsgefahr an den Heidenheimer Stärken orientiert: Union agierte mit einer Fünferabwehrreihe, aus der Kessel manchmal über rechts und der neue stellvertretende Kapitän Maximilian Thiel öfters über links das Spiel nach vorne trieben. Es traf also die beste Defensive der Liga (Heidenheim mit acht Gegentreffern) auf die größte. Vor der Abwehrreihe warfen sich Stephan Fürstner und Zejnullahu in die Zweikämpfe. Torraumszenen gab es folgerichtig nur nach Ecken. Nach der zweiten für Berlin flankte Thiel, und Damir Kreilach wurde für seinen Mut belohnt. Seine Volleyabnahme kullerte am Torwart vorbei über die Linie (27.).

Nach dem Seitenwechsel übernahm der bis dato im eigenen Stadion unbesiegte Gastgeber die Kontrolle, bis Union-Manager Nico Schäfer draußen wild mit den Armen gestikulierte. Auch er hatte den doppelten Skrzybski inzwischen entdeckt, und erlaubt ist so eine Verkleidung selbst an Halloween nicht. Zejnullahu („Ich wusste erst gar nicht, was Sache ist“) verschwand, um in der Kabine die Nummer 27 zu suchen. Als er im richtigen Trikot aus der Tribüne kam, jubelte die Mannschaft – über das 2:0 (59.).

In der Verwirrung hatte Kreilach die Position des abwesenden falschen Skrzybski eingenommen und den Ball lang auf den echten Skrzybski geschlagen, der seinen zweiten Saisontreffer erzielte. „Eroll bekommt einen Scorerpunkt, so wie er das freigespielt hat“, sagte Schäfer. Die Unioner hatten großen Spaß daran, dass der zweite amateurhafte Fehler innerhalb einer Woche (die Wahl des falschen Trikots) nicht die gleichen desaströsen Folgen hatte, wie der erste (die Wahl der falschen Schuhe gegen Paderborn). Nach dem 2:0 spielte Union den Sieg ungewohnt souverän zu Ende.

„Die defensive Kompaktheit war richtig klasse“, fand Lewandowski. „Es war wichtig, dass wir nicht wieder den dritten Schritt vor dem ersten machen, sondern erst mal in den Basics stark werden.“ So wird er das auch der Mannschaft gesagt haben, denn nach einigem Warten fand sich auch Zejnullahu als Letzter in der Umkleide ein. Im Unterhemd und mit einer Ausrede: „Das war Stevies Idee. Der hat mir das Trikot untergejubelt.“ Die Maskerade hat funktioniert.

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