Eines, sagt Fredi Bobic klipp und klar, werde er auf gar keinen Fall tun: „Ich werde nicht auf Bäume klettern, weil es einigen Leuten vielleicht so gefällt.“ Der Manager und Sportvorstand des VfB Stuttgart macht am Telefon deutlich: „Meine Erfahrung sagt mir, jetzt nicht populistisch zu handeln.“ Bobic, 42, befindet sich mit dem VfB durchaus in einer „sehr prekären Lage, aber wenn ich keine Hoffnung mehr auf Besserung hätte, könnte ich den Laden ja gleich zuschließen.“ Das aber wird er nicht tun.
Der VfB hat zuletzt sechs Spiele in der Bundesliga verloren und damit eine ähnlich miese Serie hingelegt wie der Hamburger SV. Das Team von Trainer Thomas Schneider, 41, ist nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz 16 entfernt. Und am Sonnabend kommt mit Hertha BSC ein Verein nach Stuttgart, bei dem Bobic einst vor zehn Jahren immerhin 54 Erstligaspiele bestritt und der als Aufsteiger im Moment 12 Zähler mehr auf dem Konto hat, als die mächtig schwächelnden Schwaben.
Rückhalt für Schneider
Schneider, so könnte man vermuten, sitze auf einem Pulverfass. Aber Bobic sagt, er habe den Trainer nie zur Diskussion gestellt und tue das auch jetzt nicht. „Thomas Schneider ist ein guter Trainer mit Zukunft“, sagt Bobic, „das ist meine volle Überzeugung.“ Der ehemalige Profi Schneider, ein Innenverteidiger, trat am vierten Spieltag der Hinrunde die Nachfolge von Bruno Labbadia an, der nach drei Niederlagen zum Auftakt entlassen worden war. Bobic holte Schneider aus der Nachwuchsabteilung, wo der erfolgreich die U17 des VfB betreute. 2011 hatte Schneider den DFB-Trainerlehrgang in Köln mit der Note 1,3 erfolgreich abgeschlossen.
Seinen Job bei den Profis begann er mit einem sensationellen 6:2-Sieg gegen Hoffenheim und siegte anschließend auch 1:0 bei Hertha BSC. Die Euphorie war groß. Danach folgte ein ewiges Auf und Ab, bis die Mannschaft in eine Krise geriet. Bobic hat als Knackpunkt für die Misere die beiden knappen Niederlagen zum Rückrundenstart gegen Mainz (1:2) und in Leverkusen (1:2) ausgemacht, „wo wir immer in den letzten Minuten verloren haben.“ Es folgten die desolaten Auftritte gegen Augsburg (1:4) und zuletzt in Hoffenheim (1:4).
Vor dem Duell gegen Hertha BSC hat der VfB das Training verschärft. „Wir trainieren noch härter und länger“, sagt der Manager, „es waren ja die Spieler, die Scheiße gebaut haben.“ Die Krise sei eine „Mixtur aus mangelnder Erfahrung und schwacher Psyche nach Rückschlägen und vielen eigenen Fehlern“. Man müsse intensiv „an den Basics“ arbeiten. Da auch erfahrene Profis ausfielen – etwa Christian Gentner nach Verletzung und Vedad Ibisevic wegen einer langen Sperre – sei das Team nicht stabil genug gewesen. Gegen Berlin wird Gentner noch nicht wieder fit und Torjäger Ibisevic muss nach einer Tätlichkeit noch vier Spiele auf der Tribüne absitzen. Man werde aber die Ruhe bewahren und akribisch weiterarbeiten, beteuert Bobic.
Der Manager selbst ist in dieser Woche oft am Trainingsplatz zu finden. Bobic weiß, wie ernst die Lage ist. Er hat diese Mannschaft zusammengestellt und den Trainer seines Vertrauens installiert. In seinem vierten Jahr als VfB-Manager ist er besonders gefordert. Platz 12, Platz 6, Platz 12 und nun der Abstiegskampf – so lautet die Bilanz des ehemaligen Mittelstürmers.
Am Sonnabend gegen Hertha BSC erwartet er drei Punkte für den VfB. „Bei Hertha leisten sie sehr gute Arbeit, sie haben beinahe schon ihre Ziele erreicht. Alles, was die jetzt machen, ist doch Bonus. Die müssen in Stuttgart nicht unbedingt gewinnen – wir aber schon.“
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