Es darf gratuliert werden. Dem Berliner Zoo, der an diesem Donnerstag seinen 175. Geburtstag feiert. Wenn am Vormittag der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Direktor Andreas Knieriem die 175 Zentimeter hohe Geburtstagstorte anschneiden, wird man mit großer Sicherheit die wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des ältesten deutschen Tiergartens würdigen. Dem tierverrückten Berliner dürfte das wohl eher schnuppe sein. Der will auch zum Jubiläum nur in seinem Zoo seine Lieblinge sehen.
Nur 91 Tiere überlebten den zweiten Weltkrieg im Zoo - Nilpferd Knautschke wurde zum Symbol
Davon gab es in der 175-jährigen Geschichte jede Menge. Knautschke, Knut und Co.: Die Namen der tierischen Zoo-Stars sind unvergessen. Zu ihnen gehört auch Bobby. Als 1928 der erste Zoo-Gorilla mit zwei Jahren aus Marseille nach Berlin kam, wurde ein wahrer Star-Rummel inszeniert. Er reiste mit der Eisenbahn an, saß mit dem Pfleger im Erste-Klasse-Abteil. Sogar ein Schlager wurde ihm gewidmet. „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo“ sang unter anderem 1933 Hans Albers. 1935 starb Bobby an einer Blinddarmentzündung. Im Naturkundemuseum kann man ihn heute ausgestopft bewundern.
Ein Affentheater wurde in jener Zeit auch um die Schimpansen-Damen Titine und Lore veranstaltet, die man an Tische setzte, wo die Affen mit Löffeln aus Tellern fraßen. Oder man ließ sie für die Besucher Rad fahren. Heute wäre das alles undenkbar. Ein Symbol für den Überlebenswillen der Berliner wurde Flusspferd Knautschke. Er gehörte zu den nur 91 Tieren, die den Zweiten Weltkrieg im Zoo überlebten. Als 1948/49 der Westteil Berlins wegen der Blockade der Sowjets durch eine Luftbrücke mit Lebensmitteln versorgt wurde, spendete die Bevölkerung für ihn das Futter. Knautschke starb 1988 mit 45 Jahren. Seine Tochter Bulette war ebenfalls eine Zoo-Berühmtheit.
Nur ein Tier aus dem Zoo wurde zum Weltstar - Der Eisbär Knut
Doch nur ein Zoo-Tier schaffte es, ein Weltstar zu werden: Eisbär Knut. Am 5. Dezember 2006 geboren, von der Mutter verstoßen, von Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen: Die Bilder von Tier und Mensch gingen um die Welt. Der Eisbär sorgte bis zu seinem Tod im März 2011 für Besucher- und Einnahmerekorde im Zoo. Allein im ersten Jahr (2007) kamen vier Millionen Menschen mehr als sonst. Derzeit sind es jährlich über drei Millionen Besucher. Der Gewinn des Zoos im ersten Knut-Jahr betrug etwa elf Millionen Euro, davon brachte allein der Eisbär drei Millionen Euro ein. Nicht nur durch Ticket-Verkäufe, sondern vor allem durch Souvenirs. Knut-DVDs, Knut-Plüschtiere oder Knut-Porzellanfiguren verkauften sich sehr gut.
175 Jahre Berliner Zoo
Junge Löwen präsentierten sich hier 1935 dem Zoo-Fotografen.
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Elefantin Aida mit ihrem Jungtier Orje, der zum Liebling der Zoo-Besucher wurde.
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Ein Kalifornischer Seelöwe zeigt sich in den 30er-Jahren auf der Robbenanlage des Zoos.
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Mit lieben Grüßen aus dem Zoo: eine Karte von 1899 mit Elefant und dem damaligen Elefantenhaus. I
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Das Antilopenhaus von 1910 ist auch Zuhause für Giraffen.
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Damals wie heute feierten die Berliner gerne im Zoo, hier bei einem Konzert von 1935.
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Unvergessen: Eisbär Knut (2006–2011), der zu einem Welt-Star wurde.
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Für ihn gab es sogar einen Schlager: Gorilla Bobby, der 1928 mit zwei Jahren in den Berliner Zoo kam.
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Tierkinder zogen im Zoo schon immer die Massen an. So standen die Besucher Schlange, als 1934 der Elefanten-Bulle Orje auf die Welt kam. Er wurde schnell zum Liebling der Berliner. Wie später bei Knut war auch bei ihm die Trauer groß, als Orje bereits 1936 an einer bakteriellen Infektion starb.
Auch Menschen prägten den Zoo - Wie Katharina Heimroth und Reimon Opitz
Zu den aktuellen Zoo-Stars gehören Gorilla-Dame Fatou, mit 62 Jahren wohl der älteste Silberrücken der Welt, und natürlich das Panda-Paar Jiao Qing und Meng Meng, von denen man sich Nachwuchs erhofft.
So feiert der Zoo
Drei Tage will der Berliner Zoo mit seinen Besuchern den 175. Geburtstag mit einem Jubiläumswochenende feiern.
Am 2. August beginnen die Feierlichkeiten. An diesem Freitag wird der Zoo erstmals 175 Minuten länger öffnen, also bis 21.25 Uhr. So sollen alle Besucher die Abendstimmung mit Panda und Co. einmal genießen können.
Am 3. und 4. August findet jeweils von 10 bis 17 Uhr ein Festprogramm am Eisbären-Brunnen statt. Neben Live-Musik von der Bühne und einer Kinderzirkus-Show werden unter anderem Direktor Andreas Knieriem und Zoo-Tierarzt Andreas Ochs aus dem Alltag des Zoos berichten und Fragen der Besucher beantworten. Dazu gibt es Sonderführungen, unter anderem durch das Antilopenhaus.
Klassische Abend-Konzerte wird es am 3. und 4. August (19.30 Uhr) unweit der Gehege der Okapis, Zebras und Seehunde geben. Die Berliner Klassik-Stars Konstantin Manaev (Cello), Michael Mordvinov (Klavier), Sabine Grofmeier (Klarinette), Danae Dörken (Klavier) führen mit Musikern der Musikhochschule „Hanns Eisler“ den „Karneval der Tiere“ auf. Karten ab 45 Euro gibt es nur im Internet unter www.zoo-berlin.de
Nicht nur Tiere prägten den Berliner Zoo, auch Menschen – wie Katharina Heinroth (1897–1989). Sie war die erste und blieb bisher die einzige Direktorin. Unter ihrer Regie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen, den fast zerstörten Zoo wieder aufzubauen. Oder Tierpfleger Reimon Opitz (1948–2010), der sich 40 Jahre lang um die Aufzucht von Menschenaffen im Zoo kümmerte und daher von den Besuchern liebevoll „Affen-Papa“ genannt wurde. Erinnert sei auch an Heinz-Georg Klös (1926–2014). Er schaffte es nicht nur, dass der Zoo 1980 mit Bao Bao und Tien Tien Pandas bekam. Legendär wurde der Direktor vor allem durch das tierische Wettrüsten, das er sich in Zeiten des Kalten Krieges mit dem Tierpark-Chef Heinrich Dathe (1910–1991) lieferte. Wer hat die exotischsten Tiere, die schönsten Anlagen: Der Wettlauf zweier Tiergärten im geteilten Berlin dauerte fast 40 Jahre. Nun soll daraus eine TV-Serie werden.
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