175 Jahre

Die Anfänge des Berliner Zoos

Ein König und zwei große Forscher gründeten den Berliner Zoo vor 175 Jahren.

Norbert Koch-Klaucke
4 Min
Eine Darstellung von 1869: Kinder reiten auf Elefanten durch den Zoo.

Eine Darstellung von 1869: Kinder reiten auf Elefanten durch den Zoo.

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Berlin feiert den 175. Geburtstag seines Zoologischen Gartens. Da lohnt es sich durchaus, eine Zeitreise in das 19. Jahrhundert zu machen. Zurück zu den Anfängen des ältesten Tiergartens Deutschlands, dessen Eröffnung am 1. August 1844 die Berliner dem Affentheater eines Königs und der Tierliebe von zwei großen Forschern zu verdanken haben, und dessen Grundstein auf einem Eiland an der Havel gelegt wurde.

Nimmt man es ganz genau, stand die Wiege des Zoos nicht am heutigen Standort im Tiergarten, sondern auf der Pfaueninsel im Südwesten Berlins. Auf dieser hatte 1816 der preußische König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) einen Landschaftspark errichten lassen. Dazu gehörte auch, wie an vielen europäischen Königshäusern damals üblich, eine Menagerie. Dank der Sammelleidenschaft des Preußen-Königs hatte diese bald die Ausmaße eines Mini-Zoos. 1832 gab es schon über 850 Tiere.

Berliner Zoo nahm London zum Vorbild

Zu denen zählten anfangs viele einheimische Vogelarten, vor allem Fasane und Pfaue. Später machte Friedrich Wilhelm III. aus der Menagerie quasi ein Affentheater. Denn im Bestand waren auch zahlreiche Primaten. Dazu kamen mehrere Bären, sogar ein Löwe war darunter, schreibt der Historiker Clemens Maier-Wolthausen in dem jüngst erschienenen Zoo-Buch „Hauptstadt der Tiere“ (Christoph Links Verlag).


Der erste Zoo-Direktor

Martin Hinrich Lichtenstein

Martin Hinrich Lichtenstein

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Arzt und Zoologe: Martin Hinrich Lichtenstein wurde 1780 in Hamburg geboren. 1810 gründete er in Berlin das Zoologische Museum, wurde 1811 der erste Professor für Zoologie an der Berliner Universität (heute Humboldt-Uni).

Der erste Zoo-Direktor war auch ein großer Musikliebhaber, gehörte der Berliner Singakademie an. Liechtenstein starb 1857, wurde auf See beerdigt. Aufgrund seiner Verdienste wurde eine Antilope (Lichtenstein-Antilope) nach ihm benannt.


Die Tiersammlung auf der Pfaueninsel sollte bald der Grundstock für den Berliner Zoo sein. Denn von der Errichtung eines richtigen Tiergartens nach streng wissenschaftlichen Richtlinien träumte der Mediziner und Zoologe Martin Hinrich Lichtenstein (1780-1857), der die Menagerie des Königs betreute. Der Forscher war sehr vom 1828 gegründeten Zoo in London angetan, den er 1833 besucht hatte. Als Lichtenstein von seiner Reise zurückkehrte, stand für ihn fest: Er baut in Berlin einen Zoo nach Londoner Vorbild auf.

Tiergarten als Standort für den Zoo

Lichtenstein wählte bereits den Tiergarten als Standort aus. Dieser bot genug Platz, um auf 21 Hektar den damals größten Zoo Europas in Berlin zu errichten. Allerdings musste der König diesem Plan zustimmen.

1840 starb jedoch Friedrich Wilhelm III. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV., musste nun überzeugt werden. Dabei bekam Lichtenstein prominente Hilfe.
Der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) setzte sich für die Zoo-Pläne ein, legte dem König eine Denkschrift über die Notwendigkeit der Errichtung eines zoologischen Gartens vor. Das überzeugte Friedrich Wilhelm IV., der 1841 dem Vorhaben seine Zustimmung erteilte. Mehr noch: Er überließ die ersten 47 Tiere aus der Pfaueninsel-Menagerie dem künftigen Zoo, gewährte für den Aufbau ein zinsfreies Darlehen von 25.000 Talern als Startkapital. 

Berliner Zoo lag früher „janz weit draußen“

Im Sommer 1842 begannen die Bauarbeiten im Tiergarten. Gehege und Tierhäuser wurden unter anderem für Primaten errichtet. Denn die gesamte königliche Affenbande, 24 Exemplare an der Zahl, zog von der Pfaueninsel in den Tiergarten.
Am 1. August 1844 wurde der Traum von Martin Hinrich Lichtenstein wahr, er eröffnete als Direktor voller Stolz den Berliner Zoo. Neben den Affen präsentierte er meist einheimische Tiere wie Rehe, Füchse, Hirsche, Sing- und Greifvögel. Aber auch Exoten, wie fünf Kängurus und einen Leoparden. Der Bestand nahm immer mehr zu.
Ein Jahr nach der Gründung konnte Lichtenstein schon 100 Tierarten im Zoo präsentieren, zu denen Pumas, Panther und Seehunde von der Nordsee zählten. 1857 kamen auch die ersten Elefanten, die für eine erste Besucherattraktion sorgten. Auf deren Rücken durften Kinder durch den Zoo reiten.

Die Berliner schlossen den Zoo zunächst zögerlich in ihr Herz. Nur 60.000 Besucher kamen im ersten Jahr. Denn ein Zoo-Besuch war mit Eintrittspreisen von fünf Silbergroschen nicht gerade günstig. Erst Jahre später wurde der „billige Sonntag“ eingeführt, an dem Besucher zum halben Preis in den Zoo kamen.

Zudem lag der Tiergarten damals „janz weit draußen“ vor den Stadttoren Berlins. Einen öffentlichen Nahverkehr dorthin gab es noch nicht. Wer in den Zoo wollte, musste vom Stadtzentrum oder von den Vororten aus lange Fußmärsche zurücklegen. Nur Gutbetuchte konnten es sich leisten, bequem mit einer Droschke dorthin zu fahren, sagt Zoo-Historiker Maier-Wolthausen. Über die Jahre entwickelte sich der Zoo zu einem Verkehrsknotenpunkt.

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