180 Millionen Euro Investition

Neue Rolltreppen und spektakuläre Außenaufzüge für das KaDeWe

Das Berliner Luxuskaufhaus am Wittenbergplatz wird im großen Umfang umgebaut. Bereits im Frühjahr geht es los. Bis die zahlreichen Veränderungen in die Tat umgesetzt sind, wird allerdings einige Zeit verstreichen.

Elmar Schütze
4 Min
Seit 109 Jahren besteht das KaDeWe.

Seit 109 Jahren besteht das KaDeWe.

© KaDeWe Lizenz

Im KaDeWe beginnt eine neue Zeit. Mal wieder. Noch dieses Frühjahr sollen in dem Luxuskaufhaus am Wittenbergplatz große Umbauten beginnen, sechs Jahre später, im Jahr 2022, soll alles fertig sein. Der Verkauf geht während des Umbaus weiter.

„Stetiger Wandel ist eine Notwendigkeit. Das war im KaDeWe immer schon so“, sagt eine Sprecherin. Und ein Blick auf die Geschichte des Hauses mag ihr Recht geben. Im Laufe seiner 109-jährigen Geschichte wurde das Kaufhaus des Westens immer wieder groß umgebaut. Ein signifikanter Umbau ist schon wieder 40 Jahre her, als das Parkhaus an der Passauer Straße mit Übergängen verbunden wurde. Der letzte größere Umbau fand in den 90er-Jahren statt, als das Haus um eine Etage aufgestockt und mit Glasdecke versehen wurde, unter der sich unter anderem ein Restaurant befindet.

Vertikal statt horizontal


Das Kaufhaus des Westens öffnet am 27. März 1907, es lag damals noch am Stadtrand. Durch den Bau wird der Tauentzien zu einer der Haupteinkaufsstraßen. Im KaDeWe werden auf fünf Etagen mit 24 000 Quadratmetern die Waren angeboten. Zum Vergleich: Heute sind es sieben Etagen mit 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Der Kaufhauskönig Hermann Tietz (Hertie) übernimmt 1927, während der Nazizeit muss der jüdische Eigentümer aber verkaufen.

Während des Krieges stürzt ein US-Flugzeug in das Gebäude, das fast völlig ausbrennt. Zur Wiedereröffnung am 3. Juli 1950 kommen 180 000 Neugierige. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird das KaDeWe ein Symbol für den Durchhaltewillen West-Berlins.

Die Feinschmeckeretage wird 1956 eröffnet. Mitte der 70er Jahre wird erneut groß umgebaut und erweitert.

Die Karstadt AG übernimmt 1994 Hertie – also auch das KaDeWe.

Nicolas Berggruen übernimmt 2010 Karstadt. Anschließend wird das KaDeWe mit dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München in eine Premium-Gesellschaft überführt – später wird daraus die KaDeWe Group.

Die KaDeWe Group geht 2014 an die österreichische Holding Signa über. Ein Jahr später gehört die italienische La Rinascente zu den Partnern. Vittorio Radice wird neuer Chef des KaDeWe.


Dieses Restaurant und die Feinschmeckeretage werden beim aktuellen Umbau als letztes drankommen. Außenaufzüge sollen auf eine neue Dachterrasse führen. Ziel ist es, die Restaurants auch nach Ladenschluss betreiben zu können.

Doch zuvor werden die unteren Etagen dran sein – und zwar radikal. Das Haus soll in vier sogenannte Quadranten aufgeteilt werden, die sich von einander nicht nur in Sortiment, sondern auch in Atmosphäre, musikalischer Beschallung und Innenarchitektur unterscheiden sollen. Die Kaufhaus-Sprecherin verwendet dazu den Begriff Welten. Man wolle weg von den immer gleichen, großen Flächen, die so extrem unübersichtlich sind. Statt einer horizontalen Gliederung wird eine vertikale angestrebt. Um das auch optisch-architektonisch zu verdeutlichen, erhält jeder Quadrant individuell gestaltete Rolltreppen (siehe kleine Grafik), durch die die Welten verbunden werden. Die Kunst wird es unter anderem sein, die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb so dezent wie möglich zu gestalten.

Verantwortlich auch dafür ist Rem Koolhaas. In Berlin genießt der holländische Architekt einen guten Ruf, seit er die Botschaft seines Heimatlandes an der Klosterstraße in Mitte entwarf. Die Eröffnung des international gefeierten Baus im März 2004 war ein großes Fest.

180 Millionen

Für sein neues Vorhaben hat Koolhaas, der daheim für seine großformatige „XL-Architektur“ nicht unumstritten ist, viel Geld zur Verfügung. 300 Millionen Euro darf der Umbau von Alsterhaus in Hamburg, Oberpollinger in München und KaDeWe kosten, sagt der neue Chef der drei Häuser, der Italiener Vittorio Radice – „davon werden 60 Prozent ins KaDeWe fließen“. Das wären 180 Millionen Euro.

„Wir befinden uns in der glücklichen Situation, mit Signa und La Rinascente eine Konstellation zu haben, in der strategisch gehandelt, also investiert wird“, sagt die Sprecherin. Ein „endlich wieder“ darf man sich getrost dazudenken. Schließlich hat das KaDeWe schwere Zeiten hinter sich. Häufige Eigentümerwechsel, die Furcht, durchs Internet überflüssig zu werden und der Erfolg von Einkaufszentren wie dem Boulevard Berlin an der Schlossstraße haben Spuren hinterlassen. Aus Sicht des KaDeWe wird es also Zeit, dass das Haus am Wittenbergplatz mal wieder anders in die Schlagzeilen gerät, als durch Verkäufe oder spektakuläre Einbrüche (2009) und Überfälle (2014).

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema