Die 26-jährige Marie-Thérèse Kaiser aus Winsen (Luhe) in Niedersachsen hat sich am Freitagabend in Magdeburg für die Kandidatenliste der AfD zur Europawahl beworben. So schnell wird man die junge Frau nicht vergessen, denn stolz teilte sie zur Verblüffung von mehr als 500 Delegierten mit, dass sie 21 Jahre Berufserfahrung habe. Delegierte fragten daraufhin verwirrt nach, ob diese Aussage wirklich korrekt sein kann. Darauf erwiderte Kaiser: „Das ist korrekt, ich habe mit vier Jahren das Modeln angefangen.“
Wie Kaiser auf ihrer Website mitteilt, arbeitet sie, seitdem sie denken kann. Das scheint im Alter von vier Jahren der Fall gewesen zu sein, denn dann begann sie nach eigenen Angaben mit ihrer Modelkarriere. Wer wie sie 21 Jahre lange Erfahrungen im „Haifischbecken“ der Modeindustrie gesammelt habe, werde die Politik als „Streichelzoo verstehen“. Über ihre Erfahrungen schreibt sie auf der Website: „Auch wenn ich den Beruf als Model aus politischen Gründen in Zeiten der sogenannten Cancel Culture nur noch gelegentlich ausüben kann, profitiere ich immer noch von den Erfahrungen und Erlebnissen – sie haben mich geprägt.“
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Auf dem Parteitag in Magdeburg sagte sie, sie wisse, dass es für Models keine Ausbildung gebe, sie habe also keine abgeschlossene Berufsausbildung. Dafür habe sie im Jahr 2015 in Hamburg ein betriebswirtschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Marketing und Medienkommunikation begonnen, das sie im Jahr 2019 mit einer Arbeit zur Wirkungsweise provokanter Werbung abgeschlossen habe. Seit 2017 ist sie Mitglied der AfD.
Durch ihre langjährige Erfahrung als Model wisse sie, „wie schwer jeder einzelne Cent verdient wird und wie weh es tut, zu sehen, dass Steuereinnahmen fahrlässig verschwendet werden“, schreibt Kaiser auf der Website. Während des Wahlkampfes zur Europawahl 2019 habe sie für die Bundesgeschäftsstelle der AfD gearbeitet und diese im Bereich der sozialen Medien unterstützt. Im selben Jahr habe sie begonnen bei dem 1. Parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Bernd Baumann zu arbeiten, bei dem sie noch heute angestellt sei. Laut ihrer Website ist Marie-Thérèse Kaiser seit März 2022 nebenberuflich für den bildungspolitischen Sprecher der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Rolf Weigand, tätig.
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Den Laufsteg hat die 26-Jährige also zum größten Teil hinter sich gelassen. Stattdessen verwendet sie ihre Energie auf die AfD. In der Partei zählt sie zu den Hardlinern der Partei. So schaffte sie es, bei ihrer siebenminütigen Bewerbungsrede in Magdeburg zahlreiche rechtsextreme Schlagworte einzubringen.
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„Die vollständige Abschaffung von Nationalstaaten, das fanatische Verfolgen von utopischen Klimazielen, Genderideologie, Frühsexualisierung und natürlich der Bevölkerungsaustausch – das alles sind die Symptome eines bösartigen Tumors, der in dieser EU streut“, sagte sie zu Beispiel in ihrer Rede.
Im Jahr 2021 hatten Kaisers ausländerfeindlichen Parolen Konsequenzen. In einem Post zum Bundestagswahlkampf 2021 bezeichnete sie Afghanen pauschal als
„Gruppenvergewaltiger“. Daraufhin verurteilte sie das Amtsgericht Rotenburg (Niedersachsen) wegen Volksverhetzung. Zehn Tagessätze à 60 Euro sollte sie zahlen. Noch ist das Urteil jedoch nicht rechtskräftig.
Auf dem Onlinedienst Twitter (X) reagiert Kaiser mit einem Tweet, in dem sie die Kriterien der AfD zum Thema Berufserfahrung kritisiert. „Wie würdigt man auch junge Patrioten, die Gesicht zeigen?“, fragt sie in ihrem Tweet. In den Kommentaren betont sie, ihr „fachlicher Schwerpunkt im Bereich Medien und Marketing geht aus meinem Lebenslauf hervor.“
Trotz ihrer radikalen Töne schaffte Kaiser es nicht auf die Liste der AfD für die Europawahl. Mit einer Zustimmung von 15,8 Prozent (80 Stimmen) in einem Wahlgang mit acht Konkurrentinnen und Konkurrenten verpasste sie den Einzug in die nachfolgende Stichwahl.
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